Vorausschauende Energiepolitik

VDEW legt Leistungsbilanz vor: Deutschland braucht Energie-Leitlinien

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft hat gestern in Berlin die Leistungsbilanz 2001/2002 vorgestellt. Neben zahlreichen ökonomischen Eckdaten kündigte der Branchenverband zudem steigende Strompreise an. Eine Neuigkeit ist das allerdings nicht, denn seit Beginn des Jahres müssen deutsche Verbraucher wieder mehr für ihren Strom zahlen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

"Für die Strombranche ist es ein positives Signal, dass die Bundesregierung gemeinsam mit der Wirtschaft energiepolitische Eckdaten erarbeiten will. Der Standort Deutschland braucht endlich Klarheit und eine vorausschauende Energiepolitik." Das erklärte Eberhard Meller, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Berlin, zur Leistungsbilanz 2001/2002 der Stromwirtschaft. "Die Stromversorger stehen vor weitreichenden Investitionsentscheidungen", betonte Meller. Ab 2010 müssten ältere Kohle- und Gaskraftwerke ersetzt werden. Hinzu komme der politisch gewünschte Ersatz der Kernenergie. Investitionszeiträume von mindestens 30 Jahren, so Meller, ließen keinen Raum für politische Experimente.

Kraftwerke stark ausgelastet

Die Auslastung der verfügbaren Kraftwerkskapazitäten der Stromwirtschaft habe im vergangenen Winter wieder etwa 91 Prozent betragen. Die höchsten Anforderungen der Stromverbraucher wurden am 17. Dezember 2001 mit 78 200 Megawatt gemessen. Der Zuwachs von 1400 Megawatt im Vergleich zum Vorjahr spiegele den Anstieg des Stromverbrauchs um knapp ein Prozent sowie die kühle Witterung in sieben europäischen Ländern wieder, erläuterte der Verband der Netzbetreiber - VDN - beim VDEW. An diesem Tag, so Meller, waren alle Reserven voll im Einsatz, an den Strombörsen kam es zu Preissprüngen. "Ein Importüberschuss durch Lieferungen aus dem Ausland sicherte zusätzlich die Stromversorgung mit umgerechnet 3500 Megawatt", berichtete Meller.

Stromhandel kein Ersatz für Kraftwerksbau

Der wachsende Stromhandel eröffne den Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten bei der Strombeschaffung. "Der Handel kann aber keine Kraftwerke ersetzen und erfordert ausreichende Netzkapazitäten", betonte Meller. Bis 2005 werde die Auslastung der deutschen Kraftwerke weiter steigen. Durch den Austausch im gesamten kontinentaleuropäischen Strommarkt sei die Versorgung aber gewährleistet, erläuterte VDN-Geschäftsführer Konstantin Staschus. Außerdem müsse die effiziente Förderung der erneuerbaren Energien vorangebracht werden. Meller: "Der Grundsatz, das ökologisch Notwendige ökonomisch zu gestalten, muss die Grundlage für die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sein." Mit jedem Förder-Euro müsse so viel erneuerbare Energie wie möglich gewonnen werden. Dauersubventionen würden dagegen den technischen Fortschritt behindern.

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