Drei Szenarien aufgezeigt

VDE-Studie zur Stromversorgung: Unrealistisch oder repräsentativ?

Unter dem Titel "Elektrische Energieversorgung 2020 - Perspektiven und Handlungsbedarf" hat die Energietechnische Gesellschaft im VDE in einer umfangreichen Studie drei Modellrechnungen zur Energieversorgung der Zukunft untersucht. Das BMU bezeichnete die Annahmen jedoch als "unrealistisch".

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Main (red) - Bis zum Jahr 2020 müssen bundesweit knapp 40 Gigawatt Kraftwerksleistung erneuert und über 20 Gigawatt Kernkraftwerksleistungen ersetzt werden. Zusätzliche Kapazitäten an fossilen Reservekraftwerken werden durch den steigenden Windenergieanteil benötigt. Angesichts der langen Planungs- und Bauzeiten bei Kraftwerken besteht daher höchster Entscheidungs- und Handlungsbedarf. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE), die auf einer repräsentativen Datenbasis drei Szenarien für die Zukunft der Stromversorgung vorstellt und bewertet.

Drei Modellrechnungen

"Elektrische Energieversorgung 2020 - Perspektiven und Handlungsbedarf" ist der Titel der gestern vorgestellten VDE-Studie. Sie untersucht in drei Modellrechnungen, wie sich die unterschiedliche Nutzung von regenerativen Energien, fossilen Brennstoffen und Kernenergie auswirkt. Die Ergebnisse unterscheiden sich sehr deutlich sowohl beim Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid als auch bei den notwendigen Investitionen.

Variante Wind

Die "Variante Wind" unterstellt eine intensive Förderung regenerativer Energien, insbesondere der Windkraft, und den vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie bis 2020. Die entstehende Energielücke wird in diesem Szenario durch Gasimporte geschlossen. Fazit: Der Kohlendioxid-Ausstoß werde den gemäß Kyoto-Vorgabe schon für 2012 geforderten Wert von 302 Millionen Tonnen erst in 2020 mit 292 Millionen Tonnen knapp unterschreiten. Mit 123 Milliarden Euro fielen die höchsten Investitionskosten an. Hinzu käme eine zunehmende Importabhängigkeit.

Variante Kernkraft halbe Menge

Das zweite Szenario erreicht das Kyoto-Ziel kostengünstiger. Es geht davon aus, dass die jüngeren Kernkraftwerke länger betrieben werden und 2020 noch die Hälfte der heutigen Strommenge liefern. In diesem Modell leisten die regenerativen Energien mit 15 Prozent einen relevanten Beitrag zur Stromerzeugung, der Investitionsaufwand sinkt um knapp 40 Milliarden Euro auf 85 Milliarden Euro.

Variante Kernkraft voll Menge

Drastisch weniger Treibhausgas ist das Kennzeichen im Szenario 3 des VDE. Die erneuerbaren Energien werden einen Anteil von 26 Prozent an der Stromversorgung erreichen, die Nutzung der Kernenergie bleibt auf heutigem Niveau. Der Ausstoß von Kohlendioxid sinkt in dieser Rechnung von 314 Millionen Tonnen im Jahr 2003 um 39 Prozent auf 192 Millionen Tonnen. Braunkohle würde - anders als Steinkohle - weiter verstromt. Die Investitionskosten lägen bei knapp unter 100 Milliarden Euro und damit zwischen erstem und zweitem Szenario. Die Importabhängigkeit wäre gering.

Reaktion des Umweltministeriums: Unrealistische Szenarien

In einer ersten Reaktion bezeichnete Michael Schroeren, Sprecher des Umweltministerium, die Szenarien als "unrealistisch", da der VDE von zu niedrigen Annahmen über künftige Kosten von Öl, Gas und Kohle ausgehe. Gleichzeitig unterstelle die Studie eine irreal hohe Geschwindigkeit beim Ausbau erneuerbarer Energien. Schroeren kritisierte, dass der begonnene Ausbau der erneuerbaren Energien als nicht finanzierbar dargestellt und der notwendige Umbau der Energieversorgung hin zu mehr Effizienz und Nachhaltigkeit als unrealistisch denunziert werden soll.

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