Standpunkt

VBEW sieht Wasserkraft in Bayern bedroht

Die bayrischen Stromversorger befürchten, dass die große Wasserkraft zunehmend wirtschaftlich ins Abseits gerät. "Unter den derzeitigen Bedingungen kann niemand in neue Wasserkraftwerke investieren. Dies darf nicht zu einer Gefährdung der Instandhaltungsmaßnahmen führen." Sie forderten deshalb bessere Rahmenbedingungen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist in Bayern um mehr als vier Prozent gestiegen. Das meldet der Verband der Bayerischen Elektrizitätswirtschaft (VBEW). Der Großteil davon wurde in Wasserkraftwerken erzeugt - um deren Zukunft ist der Verband allerdings besorgt.

Fast 18 Prozent des in Bayern verbrauchten Stroms stammen aus Wasser, Biomasse, Wind und Sonne. Den Löwenanteil mit 17 Prozent macht die Wasserkraft aus. Bei Wind, Sonne und Biomasse gibt es jeweils Steigerungsraten von etwa zehn Prozent. Die Stromversorger haben hier in den vergangenen Jahren viel investiert, machte der VBEW deutlich. Das größte bayerische Biomasse-Heizkraftwerk wird derzeit in Zolling gebaut. Gemessen an der gesamten Stromerzeugung in Bayern (über 71 Milliarden Kilowattstunden) sei der Output aus erneuerbaren Energien ohne Wasserkraft mit etwa 800 Millionen Kilowattstunden und knapp einem Prozent am Stromverbrauch nach wie vor gering.

Die Stromerzeugung insgesamt ist in Bayern um mehr als zwei Prozent zurückgegangen. Trotz eines geringen Anstiegs des Stromverbrauchs konnten die heimischen Kraftwerke den gesamten bayerischen Bedarf decken, berichtete Dr. Peter Deml, Vorstandsvorsitzender des VBEW. Dies müsse auch in Zukunft so bleiben. Im Sinne einer umweltfreundlichen und effektiven Stromerzeugung – mit kurzen Transportwegen – müsse der Kraftwerksstandort Bayern erhalten bleiben.

Insbesondere die große Wasserkraft in Bayern gerät dem VBEW zufolge zunehmend wirtschaftlich ins Abseits. Durch die Liberalisierung müsse sich auch die Wasserkraft am Markt behaupten, ein angesichts zunehmender Kosten und Auflagen schwieriges Unterfangen. Die Wasserkraft trage beispielsweise die Lasten für eigentlich staatliche Aufgaben. Dazu würden unter anderem die Beseitigung von Schwemmgut gehören. Darüber hinaus führten staatliche Heimfallrechte und Gebühren zu steigenden Kosten, der mangelnde Bestandsschutz erhöhe das Risiko. "Unter den derzeitigen Bedingungen kann niemand in neue Wasserkraftwerke investieren. Dies darf nicht zu einer Gefährdung der Instandhaltungsmaßnahmen führen. Die Politik muss auch in Bayern bessere Rahmenbedingungen schaffen, um diese heimische Erzeugungsart zu erhalten", forderte Deml abschließend.

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