Lacoma

Vattenfalls startet Häuserabriss im Braunkohlegebiet

Vattenfall hat heute mit dem Abriss der beiden letzten genutzten Höfe in Lacoma bei Cottbus begonnen. Die Wohnhäuser seien bereits zerstört, sagte der Vorsitzende des Lacoma-Vereins, René Schuster, der Nachrichtenagentur ddp. Seit mehr als 20 Jahren wird für den Erhalt des Dorfes und der Teiche gekämpft.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Cottbus/Lacoma (ddp-lbg/sm) - Am Donnerstag seien die Nutzungsverträge für die verbliebenen Häuser ausgelaufen. Der Ort müsse samt der wertvollen Lacomaer Teichlandschaft dem Braunkohletagebau Cottbus-Nord weichen, kritisierte Schuster. Aus Protest gegen das Vorgehen des Energieunternehmens Vattenfall versammelten sich etwa 100 Menschen zu einer Kundgebung in Lacoma. Die Polizei sprach von 50 Kundgebungsteilnehmern. Zuvor hatte der Lacoma-Verein die bewohnten und von ihm für Kultur- und Umweltbildungsverantaltungen genutzten Höfe fristgemäß an Vattenfall übergeben. Der Tagebau Cottbus-Nord leistet als Lieferant von Braunkohle einem Vattenfall-Sprecher zufolge einen wichtigen Beitrag für eine zuverlässige Brennstoffversorgung des Kraftwerks Jänschwalde.

Der Konzern begründete den Gebäudeabriss damit, dass rechtzeitig mit weiteren Vorbereitungen für die planmäßige Weiterführung des Tagebaus Cottbus-Nord begonnen werden müsse. Mittlerweile forderte die Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Angelika Zahrnt, Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in einem Offenen Brief auf, den Planfeststellungsbeschluss zur Abbaggerung Lacomas noch zu verhindern. Sie verband dies mit der Forderung nach einer grundlegenden Wende in der Energiepolitik Brandenburgs. Es werde weiterhin auf die Energiegewinnung durch Braunkohle gesetzt, bemängelte Zahrnt. Diese Art der Stromerzeugung sei ineffizient und führe im Vergleich mit anderen Energieträgern zu einem höheren Ausstoß von Kohlendioxid. Zudem habe der Tagebau Wassermangel und hohe Kosten für die Kommunen und das Land Brandenburg zur Folge, die sich mit der Vernichtung des Teichgebietes noch verschärften.

Seit mehr als 20 Jahren kämpfen die Lacomaer für den Erhalt des Dorfes und der Teiche. Die ersten Häuser wurden bereits zu Wendezeiten abgerissen. Die rund 300 Hektar große Teichlandschaft ist Heimat für mehr als 170 bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Seit 2003 sind die Teiche Schutzgebiet der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. Am Sonntag um 14 Uhr startet eine Protestwanderung zu den Teichen.

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