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Vattenfall will deutsche AKW baldmöglichst reaktivieren

Trotz Protesten will der schwedische Energiekonzern Vattenfall seine nach einer Pannenserie 2007 fast ständig stillstehenden Atomkraftwerke (AKW) Krümmel und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein bis Sommer 2011 wieder zum Laufen bringen. Damit haben sich die Verkaufsgerüchte als haltlos erwiesen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Stockholm/Kiel (dapd/red) - Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Reaktoren seien nicht korrekt, sagte Konzernchef Øystein Løseth am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Vattenfall-Strategie in Stockholm. Das Festhalten an den Kraftwerken sei für den Konzern gerade vor dem Hintergrund der verlängerten AKW-Laufzeiten sehr wichtig. Grüne und Umweltschützer forderten erneut die endgültige Stilllegung der beiden Anlagen.

Løseth zufolge soll Krümmel zum Jahreswechsel 2011 wieder ans Netz gehen, Brunsbüttel im Sommer des kommenden Jahres. Krümmel war am 4. Juli 2009 nach einem Kurzschluss im Maschinentransformator per Schnellabschaltung vom Netz genommen worden. Ein baugleicher Trafo war Ende Juni 2007 nach einem Kurzschluss ausgebrannt. Daraufhin war der Pannenreaktor bereits knapp zwei Jahre vom Netz. Erst am 19. Juni 2009 genehmigte die Atomaufsicht das Wiederanfahren. Der Meiler Brunsbüttel ist seit einer Schnellabschaltung Ende Juni 2007 vom Netz.

Die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, warf Vattenfall vor, sich nur an die "beiden berüchtigtsten Pannen-Reaktoren der Republik" zu klammern, "um sich mit den Milliarden-Profiten über Wasser zu halten". Das Flugzeugabsturz-Risiko allein sei bereits Grund genug, Brunsbüttel sofort stillzulegen. "Anstatt die AKW-Krücken Krümmel und Brunsbüttel endlich vom Netz zu nehmen, spielt Vattenfall wegen knapper Kassen lieber mit dem Risiko."

Der Sprecher der Anti-Atomkraft-Organisation .ausgestrahlt, Jochen Stay, warnte vor einem Wiederanfahren der beiden norddeutschen Atommeiler. "Niemand in Norddeutschland würde dies verstehen, denn die letzten drei Stillstands-Jahre haben gezeigt, dass der Strom aus diesen Anlagen nicht mehr benötigt wird", sagte Stay. Im April hatten nach Veranstalterangaben rund 120.000 Menschen mit einer 120 Kilometer langen Menschenkette für die endgültige Stilllegung der Reaktoren demonstriert.

Unterdessen widersprach Vattenfall-Chef Løseth Berichten über einen Ausstieg aus den umstrittenen Kohlekraft-Aktivitäten in Deutschland. Das Hamburger Kraftwerk Moorburg solle wie geplant gebaut werden. Einen Rückzug aus dem umstrittenen Braunkohleabbau in der Lausitz hatte der Konzern bereits in der vergangenen Woche ausgeschlossen.

Der schwedische Staatskonzern will mit einer neuen Strategie vor allem auf umweltgerechte und nachhaltig erzeugte Energie setzen und in Windkraft, Kernenergie, Biomasse, Wasserkraft und Gas investieren. Die CO2-Bilanz solle dabei von derzeit 90 Millionen Tonnen auf 65 Millionen Tonnen bis 2020 reduziert werden. Darüber hinaus plant das Unternehmen Kosteneinsparungen in Höhe von sechs Milliarden Kronen (rund 648 Millionen Euro) bis 2014. Teil der Umstrukturierung ist es, sich künftig nur auf Schweden, Deutschland und die Niederlande zu konzentrieren. Bisher war der Konzern auch in Dänemark, Polen, Großbritannien und Finnland aktiv. Vattenfall ist nach eigenen Angaben Europas fünftgrößter Stromerzeuger. Der Konzern beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter.

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