Nach Krümmel-Pannen

Vattenfall verliert Tausende Kunden an Ökostrom-Anbieter

Nach den Pannen im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Krümmel verliert der Stromkonzern Vattenfall offenbar zahlreiche Kunden. Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, wechselten mehrere Tausend Verbraucher seit dem Zwischenfall am 4. Juli zu konzernunabhängigen Ökostromanbietern.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Hamburg (ddp-nrd/red) - So stieg beim Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick "die Zahl der Neukunden seit dem Zwischenfall um rund 70 Prozent von 300 auf täglich 500 Neukunden", sagte ein Lichtblick-Sprecher. Die meisten Kunden hätten ihren Anbieter per Internet gewechselt. Diejenigen, die angerufen hätten, seien "sehr wütend" auf Vattenfall.

Greenpeace Energy, zweitgrößter Anbieter, verzeichnete in den ersten Tagen eine Verdopplung der Kunden, mittlerweile seien es mit 100 pro Tag sogar dreimal soviele wie vor dem Störfall in Krümmel, sagte ein Sprecher. "Es geht noch steil bergauf."

Krümmel-Panne als Anlass für Anbieterwechsel

In einer Umfrage unter 50 Kunden im Raum Hamburg hätten 40 gesagt, der Störfall sei der Anlass für den schon länger geplanten Wechsel zum Ökostrom-Anbieter gewesen, acht hätten den Störfall als Grund für die Vattenfall-Kündigung angegeben, sagte der Sprecher. Die Neuzugänge seien "ganz klar die Krümmel-Welle". Greenpeace Energy wirbt seit vergangener Woche mit dem Slogan "Klicken gegen Krümmel" für einen Wechsel.

Verbraucherzentrale rät zu Ökostrom-Anbietern

Die Verbraucherzentrale Hamburg berichtete von zahlreichen Anrufen bei ihrer Energieberatung. Sie rät, zu einem konzernunabhängigen Anbieter zu wechseln: Verbraucher, die den Anteil erneuerbarer Energien steigern wollten, könnten sich einen Anbieter aussuchen, der ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien bezieht und somit durch seine Nachfrage die Erweiterung der Produktionskapazitäten in Neuanlagen fördere.

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