Brennstäbe werden geprüft

Vattenfall untersucht Ursachen für Krümmel-Panne

Gut eine Woche nach der erneuten Panne im AKW Krümmel dauert die Ursachenforschung für den Kurzschluss in einem Transformator des Meilers an. Betreiber Vattenfall Europe begann am Montag mit der Prüfung der knapp 80.000 Brennstäbe im Reaktor, die bis Ende der Woche abgeschlossen sein soll.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Geesthacht (ddp/red) - Wie Vattenfall-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow sagte, ist vermutlich mindestens einer der Brennstäbe in dem AKW in Geesthacht bei Hamburg defekt. Dieser Defekt habe aber nichts mit dem Kurzschluss in dem Maschinentransformator zu tun, der am 4. Juli zur Schnellabschaltung der Anlage führte.

Weil vor dem Neustart am 19. Juni im Reaktor Metallspäne entdeckt worden seien, habe es umfangreiche Reinigungen gegeben. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass "feinste Metallspäne" dabei nicht entfernt wurden. Durch diese Partikel sei anschließend möglicherweise ein Brennelement beschädigt worden.

Zugleich dementierte Vattenfall einen Bericht des Magazins "Der Spiegel", wonach vor dem Wiederanfahren des Reaktors ein Arbeitsschritt aus Zeitgründen unterblieben sei. Nach dem Fund der Metallspäne seien notwendige Spülungen vorgenommen worden, um den Reaktor vor Fremdkörpern zu schützen. Die Untersuchungen der schleswig-holsteinischen Atomaufsicht zu dem Vorfall am 4. Juli dauern an. Am Freitag will die zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) im Kieler Landtag eine Regierungserklärung zu den Vorfällen abgeben.

Diskussion über die Laufzeiten geht weiter

In der Debatte über die Sicherheit von Atomkraftwerken warf Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) einigen Bundesländern Verlogenheit vor. Diejenigen, die am lautesten nach einem Festhalten an der Atomenergie riefen, wie Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), wollten kein Endlager für Atommüll in ihrem Bundesland. "Es gibt eine Menge Verlogenheit in der Debatte", sagte Gabriel. Es sei ein Skandal, dass Union und FDP öffentlich forderten, alte Atommeiler länger am Netz zu lassen und jüngere kürzer. Das diene nicht der Sicherheit, sondern den wirtschaftlichen Interessen der Atomwirtschaft.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla warf Gabriel vor, mit dem Thema Wahlkampf betreiben zu wollen. Vattenfall sei in der Pflicht, den "erheblichen Vertrauensverlust" wieder gutzumachen. Das AKW Krümel könne nur weiterlaufen, wenn die Sicherheitsvoraussetzungen gegeben seien. Zugleich bekräftigte Pofalla die Position der Union, die Kernenergie mit einer "vernünftigen Laufzeitverlängerung" als Brückentechnologie aufrechtzuerhalten.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Anti-Atomkraft-Bewegung

    Atomausstieg: Bund will Konzerne bei Mitfinanzierung festnageln

    Um die Rückstellung der Atomkonzerne zur Finanzierung des Atomausstiegs zu sichern, hat das Bundeskabinett eine neue Regelung beschlossen. Damit sollen vor allem mögliche Schlupflöcher wegen der geplanten Aufspaltungen der Firmen geschlossen werden.

  • Ende-Mit-Kernenergie

    Energiewende fordert ihren Tribut: RWE und Eon kämpfen

    Die Energiewende ist fünf Jahre nach der Atomkatastrophe voll im Gange. Auf der einen Seite sind erneuerbare Energien auf dem Vormarsch und bringen neue Jobs. Auf der anderen Seite ist mit fossilen Kraftwerken kaum noch Geld zu machen – die großen Energiekonzerne leiden.

  • Hochspannungsleitung

    Weiter Streit um Papiere über Atommüllager Gorleben

    Um die Veröffentlichung der sogenannten Gorleben-Papiere gibt es weiter Streit. Die SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag bekräftigte am Montag ihre Forderung nach einer vorbehaltlosen Offenlegung aller fraglichen Dokumente.

  • Hochspannungsleitung

    Union hält an Atomkraft als Wahlkampfthema fest

    Die Union will auch nach dem Störfall in Krümmel mit der Forderung nach längeren Laufzeiten für sichere Atomkraftwerke in den Wahlkampf ziehen. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust und Hessens Regierungschef Roland Koch (beide CDU) griffen am Wochenende allerdings den Betreiber Vattenfall scharf an.

  • Energieversorung

    1 Million Euro Schaden durch Schnellabschaltung von Krümmel

    Die Hamburger Wasserwerke haben durch die Schnellabschaltung des Atomkraftwerks Krümmel einen Schaden von rund 300.000 Euro erlitten. Hinzu kommen hohe Summen für Schäden bei Stahlwerken und Kupferfabriken. Insgesamt belaufen sich die Schätzungen auf rund eine Million Euro.

Top