Eklat

Vattenfall und Mirant zerstritten: "Dritte Kraft" gescheitert?

Gestern abend wurden die Gespräche zwischen Vattenfall und Mirant zur Bildung eines neuen Stromkonzerns endgültig abgebrochen. Vattenfall plant nun einen Alleingang ohne die Bewag, an der Mirant beteiligt ist.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

In dem gestrigen Spitzengespräch zwischen der schwedischen Vattenfall und dem amerikanischen Konzern Mirant ist es zum endgültigen Eklat gekommen. Die Unternehmen, die an den deutschen Versorgern HEW, Bewag und Veag und dem Stromproduzenten Laubag beteiligt sind, wollten gemeinsam die "neue" oder "dritte" Kraft auf dem Strommarkt bilden – die Verhandlungen wurden jedoch gestern abgebrochen. Grund: Es konnte keine Einigung über die Kräfteverteilung erzielt werden.

Obwohl beide Unternehmen bis gestern nicht von einem Scheitern der Gespräche sprechen wollten, kündigte sich ein Streit schon seit einigen Wochen an. Zeitungsberichten zufolge, sei die Präsentation von Klaus Rauscher, Vorstandsmitglied der Bayrischen Landesbank, als Chef für das neue Unternehmen der Tropfen gewesen, der das Fass zum überlaufen brachte. Vattenfall hätte diese Personalie nicht mit den Amerikanern abgestimmt, ließen diese im nachhinein verlauten. Hauptstreitpunkt ist jedoch das Kräfteverhältnis, das durch die Bewertung der einzelnen Tochterunternehmen entstehen würde. Auch die Einbeziehung der Atomkraftwerke von HEW hatte zu Missstimmung unter den Verhandlungspartnern geführt.

Was das Scheitern der Gespräche für die beteiligten Unternehmen für Folgen hat, bleibt unklar. Die Berliner Bewag sollte aufgrund von Kundenstamm und Finanzkraft das "Herz" des neuen Unternehmens bilden. Die Beteiligungsverteilung zwischen Vattenfall und Mirant am Berliner Stromversorger wurde erst kürzlich durch ein Schiedsgericht geklärt, beide halten etwa 45 Prozent. Obwohl Veag und Laubag mehrheitlich der HEW gehören, kann die Bewag wichtige Entscheidungen mit ihrer Minderheitsbeteiligung blockieren.

Die "Berliner Zeitung" von heute berichtet, dass Vattenfall-Chef Josefsson bereits einen neuen Konzern aus HEW, Veag und Laubag und damit ohne Bewag und seinem Aktionär Mirant in Hamburg plant.

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