Abgeschaltetes Atomkraftwerk

Vattenfall stellt Antrag zum Wiederanfahren von Krümmel

Vattenfall hat am Dienstag einen Antrag zur Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerkes Krümmel an der Elbe gestellt. Die Atomaufsicht wird nun eine abschließende Prüfung und Bewertung der Arbeiten in dem Atommeiler vornehmen, wie das Sozialministerium als zuständige Atomaufsichtsbehörde Schleswig-Holsteins in Kiel mitteilte.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Kiel (ddp-nrd/red) - "Die Entscheidung über den Antrag wird erfahrungsgemäß eher eine Sache von Tagen als von Wochen sein", sagte der Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Sozialministerium, Wolfgang Cloosters. Die Atomaufsicht habe während des knapp zwei Jahre andauernden Anlagenstillstands sämtliche Sanierungsarbeiten und Reparaturen intensiv überwacht und kontrolliert. "«Es stehen jedoch noch einige abschließende gutachterliche Stellungnahmen von externen Sachverständigen aus." Diese und die von Vattenfall vorgelegte abschließende Dokumentation müssten von der Atomaufsicht noch bewertet werden.

Kraftwerksleiter: Wiederanfahren dauert mehrere Tage

Das Wiederanfahren werde sich über mehrere Tage erstrecken, sagte Kraftwerkleiter Hans-Dieter Lucht am Dienstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp in Geesthacht. Er fügte hinzu: "Reaktordruck und -temperatur werden langsam gesteigert, bevor die Turbine hochgefahren und der Generator ans Netz geschaltet wird."

Während des Wiederanfahrens würden viele Funktionen geprüft, die während eines Stillstands nicht erfasst werden können, sagte Lucht. 100 Prozent Leistung werde das AKW Krümmel "frühestens am vierten Tag nach Beginn des Wiederanfahrens" haben, sagte Lucht. In den Anfahrvorgang seien über den gesamten Zeitraum etwa 70 Personen eingebunden.

Krümmel steht seit zwei Jahren still

Das Atomkraftwerk an der Elbe steht wegen Störfällen seit 28. Juni 2007 still. Nach einem Kurzschluss war es in Krümmel zu einem Transformatorbrand gekommen. Deshalb wurde der Reaktor durch eine Schnellabschaltung heruntergefahren. Seitdem standen nach Angaben des Ministeriums "weitere technische Probleme einem Wiederanfahren entgegen". Neben Reparaturen wurden in dem Kraftwerk typische Revisionsarbeiten und ein Brennelementwechsel vorgenommen.

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