Vattenfall steigt bei HEW ein - Norddeutscher "Energieriese" in Planung?

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com
Der schwedische Energieversorger Vattenfall hat am gestrigen Dienstag für rund 1,7 Milliarden Mark gut ein Viertel der Hamburgischen Electricitätswerke (HEW) gekauft und sich damit gegen die PreussenElektra AG (Hannover) durchgesetzt, die sich ebenfalls um das von der Stadt offerierte und international ausgeschriebene Aktienpaket von 25,1 Prozent beworben hatte. Künftig werden die Stadt Hamburg und Vattenfall - übrigens der größte Energieproduzent Skandinaviens (Marktanteil 20 Prozent) und der sechstgrößte Europas - jeweils 25,1 Prozent an der HEW halten. 15,4 Prozent hält die PreussenElektrag AG, 21,8 Prozent befinden sich in den Händen der Sydkraft AB (Malmö/Schweden) - an ihr ist die PreussenElektra AG wiederum mit 17,6 Prozent beteiligt. Die verbleibenden 12,6 Prozent sind in Streubesitz. Vattenfall und die Stadt Hamburg haben vereinbart, ihre jeweiligen Beteiligungen in der Vattenfall HGV Holding GbR zu bündeln. Bei der Wahrnehmung der Aktionärsrechte in Aufsichtsrat und Hauptversammlung wolle man eng zusammenarbeiten, kündigten Stadt und Vattenfall an. Der Aufsichtsratsvorsitz bei HEW wird nach wie vor von der der Stadt Hamburg wahrgenommen.


Der Kaufbetrag ist mit besagten 1,7 Milliarden Mark höher ausgefallen als erwartet - aber schließlich betrachtet die sich im Eigentum des schwedischen Staates befindende Vattenfall (Umsatz 6,1 Milliarden Mark in 1998) die Beteiligung an der HEW als "Sprungbrett in den deutschen Markt". Nur folgerichtig zeigte sich auch Hamburgs Erster Bürgermeister Ortwin Runde mit dem Kaufpreis zufrieden: "Der Senat", so Runde, habe mit dem "sehr guten Verkaufspreis" ein "bemerkenswert gutes Verhandlungsergebnis" realisieren können. Allerdings muss die Bürgerschaft dem Geschäft noch zustimmen, zudem muss auch der Kaufvertrag noch notariell besiegelt werden - erst dann fließt das Geld in die Stadtkasse. 400 Millionen Mark will die Stadt für den Ausgleich ihres Haushalts verwenden.


Wie Runde sagte, plane die Stadt augenblicklich keine vollständige Privatisierung der HEW. Sollte sich die Stadt jedoch eines Tages von dem ihr nun mehr verbleibenden Viertel trennen, habe Vattenfall ein Erstkaufrecht. Voraussichtlicher Mindestpreis: Die für die am gestrigen Dienstag erzielte Tranche von 1,7 Milliarden DM. Bereits vor zwei Jahren hatte sich die Stadt von 25 Prozent der HEW-Aktien getrennt, damals aber nur einen Betrag von 1,3 Milliarden Mark von der PreussenElektra und der Sydkraft AB erhalten. Auch vor dem Hintergrund der entsprechenden Mehreinnahmen begrüßten Sprecher von SPD, GAL und CDU das jüngst abgeschlossene Geschäft unsiono.


Angaben des Vattenfall-Geschäftsführers Carl-Erik Nyquist zufolge bezieht der im Jahr 1909 gegründete schwedische Energieversorger seinen Strom zu 60 Prozent aus Atom- und zu 40 Prozent Wasserkraftwerken. Zwar beabsichtige man nicht, den Anteil der Atomenergie zu reduzieren, dennoch unterstütze man den in der Satzung der HEW festgeschriebenen Ausstieg aus der Kernenergie. Vattenfall-Vorstandsvorsitzender Joergen Anderson - er hatte als schwedischer Energieminister Anfang der 90-er Jahre die Liberalisierung des Strommarkts in Schweden konzipiert und durchgesetzt - bezeichnete den Kauf der HEW- Anteile als wichtigen Schritt auf dem Weg in den liberalisierten Strommarkt Deutschlands. Zudem kündigte er an, dass auch die bereits auf dem deutschen Markt tätige (kleine) Vattenfall-Tochter VASA-Energy - an ihr ist Vattenfall zu 75 Prozent beteiligt - in die künftige Marktstrategie von HEW und Vattenfall eingebunden werde. "Ohne einen starken Partner hat die HEW keine Überlebenschance", kommentierte HEW-Vorstandschef Manfred Timm den Vertragsabschluss lakonisch. Und: "Im harten Verdrängungswettbewerb auf dem europäischen Kontinent gibt es keine Garantien für die Zukunft. Mitt Vattenfall als neuem Partner sind die Weichen für ein Agieren der HEW am deutschen und europäischen Strommarkt auf Erfolg gestellt". Nach dem Einstieg von Vattenfall stehen 600 Arbeitsplätze bei der HEW zur Disposition.


Informationen der "Welt" zufolge (Ausgabe vom heutigen Mittwoch) haben Vattenfall und HEW bereits einen Zusammenschluss mit der ostdeutschen Veag, der Berliner Bewag, der Edis Nord AG sowie der Schleswag zu einem norddeutschen "Energieriesen" ins Auge gefasst. Dieser solle unter Regie der Bewag agieren. Entsprechende Verhandlungen wurden nicht bestätigt, liegen aber nahe angesichts der Fusionen von RWE und VEW sowie PreussenElektra und Bayernwerk. Mit dem Hinweis, dass es mindestens vier große Wettbewerber auf dem Markt geben müsse, hatte sich das Bundeskartellamt gegen diese beiden Fusionen und also ein "Energieduopol" ausgesprochen. Mit dem von der "Welt" ausgemachten "norddeutschen Energieriesen" wäre ein dritter Player auf dem Markt.


Thomas Liebau

Das könnte Sie auch interessieren
Top