Eingelenkt

Vattenfall baut Biomasse- statt Kohlekraftwerk in Berlin (Upd.)

Nach monatelangen Protesten lenkt Vattenfall ein und verzichtet auf den Neubau des Steinkohlekraftwerks im Lichtenberger Ortsteil Rummelsburg. Das Unternehmen will dort nun zwei Biomasse-Kraftwerke errichten. In Betrieb gehen sollen sie voraussichtlich 2015/2016. Die Wirtschaft lobte den Kurswechsel als "Chance für den Standort".

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp.djn/sm) - Die Pläne für das zunächst geplante Steinkohlekraftwerk mit einer Leistung von rund 800 Megawatt hatten in den vergangenen zwei Jahren zu Protesten von Bürgern und Umweltschützern geführt. Auch die Senatsumweltverwaltung und die Wirtschaft lehnten das Projekt aus Gründen des Klimaschutzes ab.

Vattenfall will garkein Kohlekraftwerk geplant haben

Dagegen bestritt der Generalbevollmächtigte von Vattenfall Europe in Berlin, Werner Süss, dass Vattenfall in Rummelsburg jemals ein Steinkohlekraftwerk geplant habe. Es seien lediglich "verschiedene Varianten geprüft worden". Nach vielen Gesprächen sei bei Vattenfall ein "Meinungsbild" entstanden, infolge dessen sich das Unternehmen für die jetzige Option entschieden habe.

Außerdem plant Vattenfall in Berlin mindestens eine weitere Gas- und Dampf-Turbinen-Anlage. Diese solle auf dem Gelände des Heizkraftwerks Lichtenberg an der Rhinstraße gebaut werden, sagte Süss. Noch nicht entschieden sei, ob auch in Rummelsburg zusätzlich eine solche Anlage entstehe.

Politik und Wirtschaft loben Kurswechsel

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bezeichnete den Verzicht auf das Kohlekraftwerk als "vernünftigen Kurs". Auch die Opposition von CDU, Grünen und FDP lobte die Entscheidung als richtige Weichenstellung für den Klimaschutz. Zugleich warf sie dem rot-roten Senat schwere Versäumnisse bei der Energiepolitik vor und forderte die Vorlage eines Energiekonzepts.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie die Handwerkskammer begrüßten die "Korrekturen am ursprünglichen Bauvorhaben". Die Investitionspläne Vattenfalls seien zudem ein "wichtiges Signal in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und ein Konjunkturschub für Berlin und Brandenburg", sagte IHK-Präsident Eric Schweitzer. Die Vorhaben hätten ein Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro, das zu einem erheblichen Anteil der regionalen Wirtschaft zugute komme.

Aufgrund der besseren CO2-Bilanz von Gas könnten die Berliner Einsparziele beim Klimaschutz erreicht werden, betonte der Präsident der Handwerkskammer, Stephan Schwarz. Ziel des Senats ist es, den Kohlendioxidausstoß im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken.

"Die Entscheidung gegen das Kohlekraftwerk ist ein klarer Erfolg für den Klimaschutz", sagte Schwarz. Er appellierte zugleich an den Berliner Senat, weitere Anstrengungen zu unternehmen und insbesondere die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude voranzutreiben.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Dürre

    Klimaschützer: G20 dürfen Kohlenutzung nicht weiter fördern

    Klimaschützer warnen erneut: Mit den bisherigen Plänen kann die Erderwärmung nicht auf zwei Grad begrenzt werden. Einer aktuellen Studie wird noch immer viel zu viel Geld in fossile Energien gesteckt.

  • Ökostromrechner

    Kabinett segnet Ökostrom-Reform ab

    Wie geht es weiter mit dem Ökostrom-Ausbau in Deutschland? Lange konnten sich Bund und Länder nicht einigen, aber nun hat sich die EEG-Reform auch ihren Weg durch das Bundeskabinett gebahnt.

  • Energieversorung

    Energiepolitik bleibt Streitthema in Hessen

    Die SPD hat die Energiepolitik der schwarz-gelben Landesregierung in Wiesbaden am Donnerstag scharf kritisiert. Vor allem beim Thema erneuerbare Energien müsse dringend nachgebessert werden. Die Energiepolitik war auch im Wahlkampf eines der beherrschenden Themen.

  • Stromtarife

    Bürgerinitiative fordert Verzicht auf Gorleben als Endlager

    Beim Besuch niedersächsischer Landtagsabgeordneter im Gorlebener Erkundungsbergwerk haben Umweltschützer gegen Atomkraft protestiert und den Verzicht auf ein atomares Endlager im Kreis Lüchow-Dannenberg gefordert. Auch SPD und Grüne sprachen sich gegen eine schnelle Festlegung auf den Salzstock als Endlager aus.

  • Strompreise

    IHK Nord warnt vor Energieengpass in Norddeutschland

    In Norddeutschland droht nach Angaben der IHK Nord spätestens ab 2020 ein Energieengpass, da die Abschaltung von 35 Kraftwerken geplant sei. Bundeskanzlerin Merkel spricht sich derweil dafür aus, in der Bevölkerung um Akzeptanz für den Bau moderner Kraftwerke und Leitungsnetze zu werben.

Top