Untypischer Fall

Urteil: E.ON Hanse darf Heizung abdrehen

Auch wenn ein Hamburger Amtsgericht dem Energieversorger E.ON Hanse mittels eines Urteils Zutritt zur Wohnung eines säumigen Kunden verschafft hat, kann das laut Bund der Energieverbraucher und Verbraucherzentrale Hamburg nicht als "richtungsweisendes" Urteil gelten, wie E.ON Hanse glauben machen wolle.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Der norddeutsche Energieversorger E.ON-Hanse ist berechtigt, einem Kunden wegen reduzierter Zahlungen die Heizung abzustellen. Das geht aus dem Urteil eines Hamburger Amtsgerichts hervor, das in der Branche als richtungsweisend gilt, wie der "Spiegel" am Samstag vorab mitteilte. Der Kunde hatte seine Zahlungen reduziert, um gegen eine 36-prozentige Erhöhung der monatlichen Raten zu protestieren.

Der betroffene E.ON-Hanse-Kunde hatte seine monatlichen Abschläge auf 50 Euro gekürzt, statt den Sprung von 80 Euro auf 109 Euro zu akzeptieren. Damit sei er "seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen", urteilte das Gericht. E.ON Hanse könne daher von ihm "verlangen, dass dieser den Zutritt zur Wohnung duldet, damit eine Sperrung der Wärme- und Wasserversorgungsanlagen stattfinden kann", urteilte das Gericht. Der Kunde will in Berufung gehen.

"Wer sich an unsere Empfehlungen gehalten hat, der kann sich nach wie vor sicher fühlen", kommentierte Dr. Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher, der u.a. zur Zahlungsverweigerung von Preiserhöhungen aufgerufen hatte. Das Gericht habe dennoch nicht über die Billigkeit und Zulässigkeit der Preiserhöhungen entschieden. Zudem sei das Urteil für andere Fälle in keiner Weise bindend.

Laut Hamburger Verbraucherzentrale handelt es sich bei dem Urteil um "eine Entscheidung gegen einen Kunden, der schon im Juni, also vor der Erhöhungswelle vom Herbst, die Abschlagszahlung herabgesetzt hat." Obwohl es sich um einen untypischen Fall handele, versuche E.ON Hanse dieses Urteil als Leitentscheidung zu verkaufen, schätzen die Hamburger Verbraucherschützer die aktuelle Öffentlichkeitsarbeit an.

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