Gefahr in AKW-Nähe

Ursache für höhere Krebsraten in AKW-Nähe weiter unklar

Das Bundesumweltministerium sieht trotz der im Dezember 2007 veröffentlichten sogenannten Leukämie-Studie im Umfeld von Atomreaktoren weiter keinen Anlass, die Strahlenschutz-Grenzwerte zu verschärfen. Die Strahlenexposition aus einem Atomkraftwerk könne die festgestellten Leukämie-Erkrankungen nicht erklären.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Zuvor hatte die Strahlenschutzkommission (SSK) eine Bewertung der Studie "Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken" vorgelegt. Dem Ministerium zufolge bestätigte die Kommission darin "die zentrale Aussage der Studie, dass es aufgrund von Statistiken im Umkreis um die Standorte von Atomkraftwerken ein erhöhtes Leukämierisiko für Kinder unter fünf Jahren gibt". Das Risiko, an Krebs zu erkranken, sei im Umkreis von fünf Kilometern um die Standorte der Atommeiler erhöht.

Eine wissenschaftlich nachvollziehbare Ursache für diese Beobachtung gebe es nach Auffassung der SSK jedoch nicht, weil die Strahlenexposition der AKW viel zu gering sei, um Leukämie auslösen zu können.

In der Studie hatte das Mainzer Kinderkrebsregister festgestellt, dass zwischen 1980 und 2003 für unter Fünfjährige in der Umgebung von Reaktoren das Leukämierisiko mehr als doppelt so hoch war wie im Bundesdurchschnitt. In absoluten Zahlen hatte es im Fünf-Kilometer-Umkreis von 16 deutschen Atomkraftwerken im untersuchten Zeitraum bei Kleinkindern 77 Krebsfälle, darunter 37 Leukämiefälle, gegeben, während es nach dem statistischen Durchschnitt nur 48 Krebsfälle, darunter 17 mit Leukämie, hätten sein dürfen.

Das Umweltministerium bedauerte am Donnerstag, dass die Ursachen der Leukämie-Erkrankungen weiterhin im Unklaren blieben. Auch die weltweiten Forschungsanstrengungen hätten hierzu bisher keine Erklärungsmuster geliefert. Daher gebe es "keine Alternative dazu, auf breiter Grundlage die Ursachenforschung zu verstärken".

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