Regelung erforderlich

Unzureichendes EnWG: Energieverbraucher warnen vor maroden Stromnetzen

Der Bund der Energieverbraucher sieht die Sicherheit der Stromversorgung in Deutschland durch das neue Energiewirtschaftsgesetz gefährdet. Denn der neue EnWG-Entwurf regele an keiner Stelle, wie sicher die Leitungsnetze künftig sein müssen oder was die Folge unzureichender Netzqualität für die Versorger sei.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Rheinbreitenbach (red) - Der Bund der Energieverbraucher hat in einem Schreiben an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages vor einer "fahrlässigen Vernachlässigung der Versorgungsqualität" im geplanten neuen Energiewirtschaftsgesetz gewarnt. Der Verein sieht die Sicherheit und Preiswürdigkeit der Stromversorgung in Deutschland durch das neue Energiewirtschaftsgesetz gefährdet.

Vor der Energiemarktliberalisierung im Jahr 1998 hätten die Versorgungsunternehmen alle Kosten für das Stromnetz auf die Strompreise aufgeschlagen. Das habe die Strompreise nach oben getrieben, aber auch die Netze gut und sicher gemacht, erläutert der Verein seinen Vorwurf. Seit 1998 seien die Kosten für die Netznutzung zwar um das Dreifache gestiegen, die Investitionen in die Netze seien jedoch teilweise auf ein Drittel zurückgegangen, führen die Verbraucherschützer aus.

Derzeit würden nun Netzkosten geltend gemacht, unabhängig davon, wieviel in die Netze investiert werde. Von den Netznutzungsentgelten in Höhe von knapp 18 Milliarden Euro jährlich werde aber mit knapp zwei Milliarden Euro nur ein geringer Teil in die Netze investiert. "Die Verbraucher zahlen also heute mehr für die Netze und bekommen weniger Sicherheit dafür", fasst der Bund der Energieverbraucher das Dilemma zusammen. Das sei die Folge der fehlenden Regulierung.

Auch der Gesetzentwurf der Bundesregierung werde diesen Zustand nicht ändern, heißt es weiter. Denn er regele an keiner Stelle, wie sicher die Leitungsnetze künftig sein müssen. Der Gesetzentwurf regele auch nicht, was die Folge unzureichender Netzqualität für die Versorger sei, die schließlich für die Erhaltung dieser Netze jahrelang bezahlt worden waren.

Aus diesem Grund fordert der Verein die Abgeordneten auf, dafür zu sorgen, dass Versorgungsqualität im Gesetz klar definiert werde und die Netzbetreiber zu deren Einhaltung verpflichtet würden.

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