Hohe Investitionsunsicherheit

Untersuchung: Energiebranche sieht Deregulierung positiv

Die Management- und IT-Beratung Capgemini hat mehr als 130 Energieexperten in überwiegend Top-Managementfunktionen in 20 Ländern zu den Problemen und Erfolgen der Deregulierung der internationalen Energiemärkte befragt. Das Zwischenresümee fiel überwiegend positiv aus.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Paris/Berlin (red) - Ein eher optimistisches Zwischenresümee bei den Bemühungen um Deregulierung der internationalen Energiemärkte ziehen die Anbieter von Strom und Gas weltweit: 53 Prozent sehen die Entwicklung als positiv oder gar sehr positiv, 37 Prozent sind der Meinung, dass sich positive und negative Auswirkungen die Waage halten und lediglich zehn Prozent sind besorgt. Das ergab eine jährlich herausgegebene Untersuchung der Management- und IT-Beratung Capgemini. Die Datenbasis resultiert aus mehr als 130 Befragungen von Energieexperten in überwiegend Top-Managementfunktionen in 20 Ländern.

Weiteres Ergebnis: In Frankreich, wo zum 1. Juli die weitgehende Öffnung des Strommarktes erst noch ansteht, sind die Äußerungen positiver als im weltweiten Durchschnitt, während Italien und die Benelux Staaten skeptischer sind. Die Einschätzungen aus Deutschland weichen hingegen kaum vom weltweiten Durchschnitt ab.

Anbieterwechsel noch immer nicht problemlos

Im Wettbewerb um die Kunden spielt laut Untersuchung der Preis weiterhin die größte Rolle, gefolgt vom Kundenservice. Bündelprodukte, die in den letzten Jahren in Deutschland als ein wichtiges Element innovativer Produktpolitik gesehen wurden, spielten hierzulande kaum noch eine Rolle. Knackpunkt bleibt jedoch nach Ansicht der Befragten der Prozess der Anbieterwechsels: 40 Prozent beklagen zu häufige Fehler und mangelnde Geschwindigkeit, während die Hälfte der Experten die Prozesskosten für einen Wechsel von einem zum anderen Energieanbieter für zu hoch halten. "Hier könnte eine Hub-Lösung nach dem Vorbild von Australien einen wichtigen Lösungsbeitrag leisten", schlägt Waldemar Grosse, verantwortlich für den Geschäftbereich Utility Market Restructuring bei Capgemini in Deutschland, vor. "Bei dieser Lösung werden alle Anbieterwechsel über eine zentrale, unabhängige Agentur abgewickelt und so ein nachhaltiger und kosteneffizienter Wettbewerb unter den Energieanbietern ermöglicht. Voraussetzung wäre allerdings, dass eine solche Lösung politisch durchsetzbar und von der Energiewirtschaft gewollt ist."

Unsicherheit über zukünftige Investitionen

Die befragten Energieerzeuger sind zu mehr als der Hälfte (55 Prozent) unsicher darüber, wer die zukünftigen Anforderungen an Erzeugerkapazitäten festlegt. Dabei haben laut Untersuchung vor allem regulatorische bzw. politische Maßnahmen einen deutlichen Einfluss auf künftige Investitionsentscheidungen, gefolgt von der Unsicherheit über künftige Preise und der Umweltgesetzgebung. Für Deutschland wird in den nächsten Jahren bei geringem inländischem Nachfrageanstieg mit einem moderaten Preisanstieg von weniger als einem Prozent pro Jahr gerechnet.

Signifikanter Anteil an den Preiserhöhungen werden dem Einfluss des Kohlendioxid-Handels sowie den erforderlichen Investitionen in neue Kraftwerke zugeschrieben. Den deutschen Netzbetreibern fehle aufgrund noch unklarer Regulierungsrahmenbedingungen die notwendige Planungssicherheit für Investitionen im Netz, gleichwohl werde aber die Notwendigkeit des Ausbaus des Stromnetzes gesehen.

Strom- und Gasmärkte bleiben fest in der Hand der etablierten Betreiber

Die befragten Händler und Erzeuger glauben nicht an einen in naher Zukunft stark fragmentierten Markt mit einer Vielzahl von Anbietern unter denen der Kunde wählen kann. Unisono gehen knapp 60 Prozent der Befragten in beiden Gruppen in zwei Jahren von zwischen vier und sechs relevanten Wettbewerbern auf einem Markt aus. Langfristig sehen sie wieder eine Konzentration. Damit einher geht auch die Aussage, dass 85 Prozent der befragten Unternehmen und Institutionen von deutlich weniger neuen Marktteilnehmern ausgehen als vor der Deregulierung ursprünglich erhofft. Als Grund sehen sie in erster Linie die Vorteile der etablierten Energieversorger in Form von guten bestehenden Kontakten im Markt, deren Größe und Markt Know-how. Aber auch das Risiko mit großen Mengen an Energie in einem volatilen Markt arbeiten zu müssen, stellt für neue Anbieter eine Markteintrittsschranke dar.

Weiterführende Links
  • Die komplette Untersuchung auf englisch zum Download - hier klicken
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