Studie

Unternehmensberatung: Unbundlung kostet Energiewirtschaft 300 Millionen Euro

Regionalversorger und Stadtwerke brauchen zügig einen operativen Fahrplan für den Umgang mit Unbundling und Regulator. Die Unternehmensberatung A.T. Kearney hat auf Basis einer Studie errechnet, dass zur Umsetzung der rechtlichen Trennung von Vertrieb und Netzen Investitionen in Höhe von 500 bis 600 Millionen Euro anfallen werden.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Zusätzlich würden laufende jährliche Kosten von 170 bis 200 Millionen Euro entstehen, z.B. durch Doppelung von Funktionen und höherem Aufwand für die Pflege von IT-Systemen. "Die notwendigen Investitionen für das Legal Unbundling werden bis zu 1,5 Prozent des Jahresumsatzes der Unternehmen, die jährlichen Kosten bis zu 0,2 Prozent des Umsatzes betragen", erläuterte Berthold Hannes, Energieexperte und Mitglied der Geschäftsleitung von A.T. Kearney, in dieser Woche in Berlin.

Diese Kosten könnten jedoch durch eine systematische und rechtzeitige Vorbereitung kompensiert oder überkompensiert werden. "Voraussetzung ist, dass Legal Unbundling nicht nur als Synergiekiller, sondern als Geburtshelfer für neue Geschäftsmodelle begriffen wird", sagte Hannes. Laut einer von A.T. Kearney durchgeführten Studie zum Status der Vorbereitungen auf das Legal Unbundling fürchten die deutschen Energieunternehmen vor allem Synergieverluste und rückläufige Einnahmen aus den Netznutzungsentgelten. Matthias Cord, Energieexperte und Mitglied der Geschäftsleitung von A.T. Kearney, empfiehlt vom Legal Unbundling betroffenen Regionalversorgern und Stadtwerken daher, zügig einen operativen Fahrplan für den Umgang sowohl mit Unbundling als auch mit dem Regulator aufzustellen.

Das Legal Unbundling wird nach Auffassung der Energieexperten von A.T. Kearney die Landschaft der Energieversorgung in bisher nicht gekannter Weise verändern. "Paradoxerweise wird gerade die Neugründung von Gesellschaften durch das Unbundling die Kleinteiligkeit der deutschen Energiewirtschaft verringern," schaute Hannes in die Zukunft.

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