Streit um Laufzeiten

Unternehmen wollen länger Atomstrom - Conrad: Biblis abschalten

Die rheinland-pfälzischen Unternehmer setzen sich für eine Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken ein. Umweltministerin Margit Conrad (SPD) dagegen hat ihre Forderung nach Abschaltung des Meilers erneut bekräftigt. Sie kritisierte "offenkundige Tricks", die das Ziel verfolgten, die Laufzeit durch zeitweise Abschaltung bis ins kommende Jahrzehnt zu bringen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Mainz (ddp-hes/sm) - Werner Simon, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU), sagte am Dienstag in Mainz: "Wir können nicht den Hebel umlegen und den bisherigen Atomstrom mit regenerativen Energien auffangen." Simon widerspricht damit der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Conrad, die eine zügige Abschaltung des AKWs fordert.

"Biblis ist ein Pannenreaktor, der durch eine hohe Zahl von meldepflichtigen Ereignissen aufgefallen ist", sagte die Ministerin. Hinzu komme, dass durch das Alter beider Reaktorblöcke die Gefahr von Materialermüdung immer größer werde. Rheinland-Pfalz bleibe daher bei seiner Forderung, Biblis abzuschalten und am Atomkonsens festzuhalten. Nach der Vereinbarung sind ihren Angaben zufolge die Reststrommengen definiert und so aufgeteilt worden, dass Biblis A bereits Mitte 2008 und Biblis B (n diesem Jahr vom Netz gehen sollten.

Simon argumentierte jedoch, dass bei einem Ausstieg aus der Atomkraft der Anteil an Kohle und Gas am Energiemix "zwangsläufig" steigen müsse. Das brächte die Ziele beim Klimaschutz in Gefahr. "Wer die Umwelt schützen will, darf nicht die sauberste Stromquelle zuerst abschalten." Simon nennt den von der rot-grünen Koalition unter dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft "besonders beklagenswert, da hier die sichersten Atomreaktoren der Welt gebaut werden". Nach Schwedens Wende in der Atompolitik stehe Deutschland in der Frage "völlig isoliert" da.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Erde

    Studie: Mehr Geld für konventionelle Energien als für Ökostrom

    Einer Kurzanalyse zufolge werden konventionelle Energien im kommenden Jahr deutlich stärker gefördert als erneuerbare Energieträger. Demnach läge eine Umlage für Atom- und Kohlestrom deutlich über der EEG-Umlage.

  • Stromrechnung

    Talfahrt bei RWE und Eon: Gibt es noch Lichtblicke?

    Die beiden Stromriesen RWE und Eon stecken in der Klemme. Beim Umstieg auf erneuerbare Energien hinken beide Firmen hinterher. Werden das bald die Stromkunden mit steigenden Preisen ausbaden müssen?

  • Strom sparen

    Greenpeace rechnet vorerst nicht mit AKW-Neubau in Schweden

    Greenpeace rechnet vorerst nicht mit dem Neubau von Atomkraftwerken in Schweden. Das Land sei auf europäischer Ebene eine Verpflichtung eingegangen, bis 2020 rund die Hälfte der Energieversorgung durch Erneuerbare Energien bereitzustellen, sagte die Greenpeace-Expertin für Klima- und Energiefragen, Martina Krüger.

  • Strompreise

    Frankreich will zweiten EPR-Atommeiler bauen

    Frankreich hat den Bau eines zweiten hochmodernen Druckwasserreaktors beschlossen. Der Atommeiler werde in der Nähe der Stadt Dieppe am Ärmelkanal gebaut, erklärte Staatschef Nicolas Sarkozy am Donnerstagabend. Die Arbeiten für den Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) am Standort Penly sollen in drei Jahren beginnen.

  • Hochspannungsleitung

    Rund 50 Staaten wollen Agentur für Erneuerbare Energien gründen

    Deutschland bekommt für seine Initiative zur Gründung einer Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) international viel Zuspruch. An der Gründungskonferenz am Montag in Bonn wollen mehr als 100 Staaten teilnehmen, wie das Bundesumweltministerium am Mittwoch mitteilte. Knapp die Hälfte davon wolle den Gründungsvertrag unterzeichnen.

Top