Hauptversammlung am 29. August

unit energy europe AG: Wird Vorstand nicht entlastet?

Ende August wird die Hauptversammlung der unit energy europe AG in Bad Homburg stattfinden. In Gegenanträgen zur Tagesordnung wurde bereits jetzt gefordert, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. "Um Schaden abzuwenden" hat sich jetzt die Umweltfinanz GmbH zur Lage geäußert.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Die diesjährige ordentliche Hauptversammlung der unit energy europe AG wird am 29. August 2001 in Bad Homburg stattfinden. Dabei stoßen einigen Aktionären die Tagesordnungspunkte, die mit einer Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu tun haben, bitter auf. Deshalb wurden bereits Gegenanträge verschickt, in denen gefordert wird, die Gremien nicht zu entlasten. Sollte es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen, hätten Gesellschaft und Aktionäre dann "tendenziell bessere Chancen", heißt es in der Begründung. Aus Sicht der Umweltfinanz GmbH, einem Kapitalvertrieb der unit energy europe AG, wird die Diskussion teilweise unsachlich geführt, sind die vorgetragenen Gründe wenig konkret, nicht ausreichend belegt und haben zum Teil den Charakter von Vermutungen. Um mehr Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen, hat die Umweltfinanz mit dem neuen Vorstand Walter Felix Beyer und dem ehemaligen Vorstand und designiertem Aufsichtsrat Bernd Weber Interviews geführt, die unter www.umweltfinanz.de abrufbar sind. Zudem hat die Umweltfinanz GmbH eine Stellungnahme abgegeben, die wir nachfolgend in der Originalversion veröffentlichen.

Bernd Weber war von Anfang 2000 bis Mai 2001 im Vorstand der Gesellschaft. In dieser Zeit wurden spekulative Engagements wie der Offshore-Windpark Sky 2000 und das Biomassekraftwerk Wietzendorf gestoppt sowie der verlustbringende Stromvertrieb in England, Österreich und Deutschland zum Großteil verkauft. Die Kostenstruktur der Gesellschaft wurde erheblich verbessert und die Produktionskapazitäten wurden deutlich erhöht. Partner wie Nuon und Finertec konnten gewonnen werden. Die erheblichen Bilanzkorrekturen waren eine Konsequenz des Konsolidierungskurses, getragen und zu verantworten von Vorstand und Aufsichtsrat. Aus unserer Sicht war und ist dieser Konsolidierungskurs unbedingt notwendig, wenn das Fortbestehen der Gesellschaft gesichert sein soll.

Jeder, der unternehmerische Erfahrung besitzt, sollte sich vorstellen können, wie aufwendig und schwierig eine Konsolidierung in dieser Größenordnung auf internationaler Ebene ist, insbesondere, wenn nicht kurzfristig alle "Altlasten" bekannt werden. Der Aufsichtsrat hat wohl auch nicht grundlos acht Mal in 2000 getagt. Insofern ist es für uns unverständlich, dass die zum Großteil erfolgreichen Maßnahmen im Jahr 2000 jetzt dazu führen sollen, die Organe der Gesellschaft nicht zu entlasten.

Auch die Umweltfinanz hat noch in 1999 die Ausrichtung der Gesellschaft und damit die Vorstände Jakubowski und Lomecki unterstützt. Die Geschäftsfelder Offshore und Grüner Strom wurden damals in Deutschland erst begründet. Keiner konnte wissen, ob diese Geschäftsfelder erfolgsversprechend sein werden, auch nicht der damalige Aufsichtsrat. Mehrere Unternehmen, nicht nur unit energy, sind auf diesen "Zug aufgesprungen" und mussten im nachhinein herbe Verluste in Kauf nehmen. Die notwendige Neuorientierung in der strategischen Ausrichtung und die - durch die damaligen Vorstände verursachte - Kostenexplosion zwangen den Aufsichtsrat dazu, den Vorstand neu zu besetzen. Man kann im Nachhinein sicherlich darüber streiten, ob dies hätte früher geschehen müssen. Unserer Meinung nach war es auf jeden Fall ein notwendiger Schritt, weil die strategische Ausrichtung nicht mehr erfolgsversprechend war. Deshalb unsere Unterstützung von Herrn Weber. Die im Frühjahr 2001 erfolgte Übergabe des Vorstandsposten an Herrn Colditz wurde von uns ebenfalls unterstützt, weil dieser die vorgegebene Ausrichtung des Aufsichtsrates beibehalten wollte. Innerhalb weniger Wochen hat Herr Colditz jedoch seine strategische Ausrichtung deutlich geändert, die somit nicht mehr mit der des Aufsichtsrates konform lief und man sich wegen dieser grundlegenden Differenzen voneinander trennte.

Man kann Herrn Weber vorwerfen, dass er im Bereich Investor Relation in den letzten Monaten seiner Amtszeit zu wenig aktiv war, dass er, um als seriöser Geschäftspartner auftreten zu können, öffentlich keine "schmutzige Wäsche gewaschen" hat und zu wenig Internes den Aktionären bekannt gegeben hat. Das ist aber keine Begründung für die Nichtentlastung eines Vorstandes. Ebenso liegt es in der Natur der Sache, dass von der Unternehmensführung nicht durchweg alle Entscheidungen immer richtig getroffen werden können; entscheidend ist hier die Verhältnismäßigkeit bzw. die Tragweite für das Unternehmen, die eine Fehlentscheidung zur Folge haben kann. Sowohl für eine Nichtentlastung als auch für eine gerichtliche Auseinandersetzung mit Aufsichtsrat und Vorstand (wohl bemerkt: es geht hier um das Jahr 2000, also nicht um Herrn Jakubowski) sollten begründete und vor allem konkrete Vorwürfe vorgetragen werden. Aus unserer Sicht wird hier jedoch Stimmung gemacht, die geprägt ist von persönlichen Befindlichkeiten einiger Weniger. Dass die Situation und die bisherige Entwicklung der unit energy europe AG, so wie sie bislang kommuniziert wurde, bei den Aktionären Frustration und teilweise schon Resignation hervorgerufen hat, ist absolut verständlich. Aber jetzt, in einer Phase der Konsolidierung, kontraproduktiv zu reagieren, in dem man pauschal gegen alles ist, was von der Gesellschaft kommt, schadet nur um so mehr. Um nicht falsch verstanden zu werden: Hierbei geht es uns nicht um die Organe der Gesellschaft. Wenn sich die Organe nichts vorzuwerfen haben, ist es auch unbedeutend, ob sie entlastet werden. Es geht hierbei um den Blick nach vorne, um Partnerschaften, um Finanzierungsmöglichkeiten und um die Glaubwürdigkeit von unit energy. Ob die Gesellschaft mit oder ohne Entlastungen Bestand haben wird, können auch wir nicht wissen - aber schwieriger wird es ohne Entlastungen von Vorstand und Aufsichtsrat für die Gesellschaft auf jeden Fall werden.

Die Umweltfinanz wird deshalb nach den Vorschlägen der Verwaltung abstimmen und sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat entlasten. Ebenso sind wir für die Verkleinerung des Aufsichtsrates, um so Entscheidungswege kürzer zu halten und Kosten zu reduzieren. Auch werden wir die Wahl von Herrn Weber – selbst Großaktionär - in den Aufsichtsrat unterstützen, da er sich aus unserer Sicht im Sinne der Aktionäre für unit energy eingesetzt hat und einsetzt. Auf weitere Begründungen der Gegenanträge möchten wir nicht näher eingehen, da sie unsachlich und deutlich emotional gefärbt sind und auf Umständen beruhen, deren Darstellung in der Öffentlichkeit unterbleiben sollten.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Allianz

    Versicherer investieren zunehmend in Erneuerbare

    Allianz, Munich RE und Ergo sind Versicherungsgesellschaften, die seit einiger Zeit aber auch verstärkt im Geschäft mit den Erneuerbaren mitmischen. Für die Gesellschaften dienen die Solar- und Windparks als Geldanlagen. Und so kommt es, dass Internetriese Google Strom von der Allianz bezieht.

  • Strompreise

    EWE erwirbt Windpark Elsdorf II

    Der Oldenburger Energiekonzern EWE baut seine Windenergie-Aktivitäten weiter aus. Das Unternehmen habe jetzt den zwischen Hamburg und Bremen gelegenen 18-Megawatt-Windpark Elsdorf II erworben, sagte am Freitag ein Unternehmenssprecher.

Top