Verärgerung

Union weist Kritik des Umweltbundesamtes an ihrer Atompolitik zurück

Auf die Kritik von Umweltbundesamtschef Troge an der Atompolitik der Union reagierten führende CDU-Politiker gestern mit Verärgerung. Seine Argumente kämen aus der Mottenkiste und könnten so nicht akzeptiert werden, sagte beispielsweise der stellvertrtende Fraktionschef Klaus Lippold.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Union will an ihren Plänen zur Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken trotz Kritik aus den eigenen Reihen festhalten. "Über längere Laufzeiten kann man den Strompreis positiv beeinflussen", sagte der stellvertretende Fraktionschef der Union, Klaus Lippold, der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe).

Der CDU-Politiker wies damit Bedenken aus dem Umweltbundesamt zurück. Dessen Präsident Andreas Troge hatte vor einer Kehrtwende in der Atompolitik gewarnt und die Hoffnung auf niedrigere Strompreise durch die Kernkraft als unrealistisch bezeichnet.

In der Union lösten die Äußerungen des CDU-Mitglieds Troge mitten im Wahlkampf Verärgerung aus. "Die Argumente von Herrn Troge kommen aus der Mottenkiste. Die Union kann und wird sie nicht akzeptieren", betonte Lippold. Längere Laufzeiten verbesserten die Gewinne der Energieversorger. Die Union werde mit den Betreibern eine Vereinbarung treffen, dass sich dies auch im Strompreis niederschlage. Mit Staatswirtschaft habe dies nichts zu tun. "Wenn Herr Troge von Staatswirtschaft spricht, müsste er auch die Subventionen für erneuerbare Energien anprangern", kritisierte Lippold.

Auch der umweltpolitische Sprecher von CDU und CSU, Peter Paziorek, sagte, er teilte die Bedenken des Umweltbundesamtes nicht. "Herr Troge hat noch nicht die Chancen von längeren Laufzeiten im Rahmen eines energiepolitischen Gesamtkonzeptes und der marktwirtschaftlichen Ordnung gesehen", sagte Paziorek. Es gebe ökologische wie auch ökonomische Vorteile. So sei die Klimaschutzbilanz von Kernkraftwerken besser als die der meisten anderen Kraftwerke. Ökonomische Vorteile gebe es vor allem für das produzierende Gewerbe. Dieses könne man mit Hilfe der Kernkraft vor zu hohen Strompreisen schützen.

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