Kritik an Vattenfall

Union hält an Atomkraft als Wahlkampfthema fest

Die Union will auch nach dem Störfall in Krümmel mit der Forderung nach längeren Laufzeiten für sichere Atomkraftwerke in den Wahlkampf ziehen. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust und Hessens Regierungschef Roland Koch (beide CDU) griffen am Wochenende allerdings den Betreiber Vattenfall scharf an.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/red) - CDU-Vize Koch attackierte die Energiekonzerne in scharfer Form. Betreiber, die sich verhielten wie Vattenfall in Krümmel, würden "unfreiwillig selbst zu den größten Gegnern der Kernkraft". Und Koch legte nach: "Die Dummheit der Energiekonzerne in ihrer Kommunikation ist kaum noch beschreibbar."

Wahlkampf für längere AKW-Laufzeiten schwieriger

Beust verlangte, dass der Betreiber die Probleme im Atomkraftwerk Krümmel binnen kurzer Zeit löst. "Vattenfall muss wissen: Es ist Schluss mit lustig". Andernfalls solle dem Konzern die Betriebsgenehmigung entzogen werden. Durch den Störfall sei es für die CDU "mit Sicherheit viel schwieriger geworden", die Debatte über die Verlängerung von Laufzeiten zu führen. Diese sei dennoch objektiv notwendig. Allerdings kämen dafür "nur die wirklich sicheren Kraftwerke in Frage".

Wulff: Gabriel hat Atomaufsicht nicht im Griff

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sprach sich dafür aus, längere Laufzeiten "individuell" festzulegen - "streng nach Sicherheitskriterien". Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wolle sich mit seinen Äußerungen zur Abschaltung einiger Atomkraftwerke nur "profilieren". Mit Blick auf die Panne in Krümmel warf Wulff Gabriel schwere Versäumnisse vor. Dieser habe die Atomaufsicht nicht im Griff.

Oettinger: Krümmel entspricht Stand der Technik

Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sprach Steinmeier die Kompetenz ab: "Ob und wie lange ein Kernkraftwerk betrieben werden kann, sollten Ingenieure, Techniker und die Atomaufsicht entscheiden, aber nicht Kanzlerkandidaten." Oettinger bekräftigte zudem seine Ansicht, Krümmel sei "ein Kernkraftwerk, das dem Stand der Technik entspricht".

SPD-Politiker für sofortiges Abschalten von AKW

Steinmeier warf dagegen der Union vor, als "Sprachrohr der Atomlobby" zu agieren. Gabriel habe sich "den Störfall in Krümmel ja wohl nicht ausgedacht". Der Umweltminister erhebe völlig zurecht seine Stimme, sagte Steinmeier und forderte erneut, den Reaktor zu schließen. Auch SPD-Chef Müntefering betonte: "Was in Krümmel passiert ist, stinkt zum Himmel. Da kann ich nur sagen: Legt das Ding endlich still!"

Experten: Alte AKW sofort vom Netz nehmen

Nuklearexperten legten der Bundesregierung derweil nahe, Kernkraftwerke älterer Bauart schneller vom Netz zu nehmen als geplant. Ältere Meiler seien technisch anfälliger und schlechter gegen Terrorangriffe geschützt als neue, sagte Michael Sailer, Mitglied der Reaktorsicherheitskommission (RSK) der Bundesregierung.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Vattenfall

    Vattenfall klagt in Washington gegen den Atomausstieg

    Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg ist für mehrere Energieunternehmen ein Grund vor Gericht zu ziehen. Die Klage, die der schwedische Energiekonzern Vattenfall eingereicht hat, wird in den USA verhandelt.

  • Ökostromrechner

    Kabinett segnet Ökostrom-Reform ab

    Wie geht es weiter mit dem Ökostrom-Ausbau in Deutschland? Lange konnten sich Bund und Länder nicht einigen, aber nun hat sich die EEG-Reform auch ihren Weg durch das Bundeskabinett gebahnt.

  • Strom sparen

    Merkel will AKW Krümmel nicht endgültig abschalten

    Anders als Vizekanzler Steinmeier fordert Merkel kein sofortiges Aus für das Atomkraftwerk Krümmel. Wenn die Sicherheit des Betriebs gewährleistet und alle im Atomgesetz geregelten Voraussetzungen erfüllt seien, könne der Meiler nach Ansicht der Kanzlerin auch wieder ans Netz gehen, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg .

  • Hochspannungsmasten

    Auch in Schweden Pannen in Vattenfall-Atomkraftwerken

    Wenige Tage nach der erneuten Panne im deutschen Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg beschäftigt auch ein Kernreaktor des Vattenfall-Konzerns in Schweden die örtliche Atomaufsicht. Nach einer "Fehlerserie" stellte die schwedische Strahlenschutzbehörde (SSM) das Akw Ringhals unter verschärfte Aufsicht.

  • Stromnetz Ausbau

    Oettinger: Keine Laufzeit-Begrenzung für Atomkraftwerke

    In der Debatte um die Zukunft der deutschen Atomkraftwerke fordert Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) eine grundsätzliche Abkehr von Laufzeitbegrenzungen.

Top