Vorbereitung

UN-Staaten suchen Einigung für neues Klimaabkommen

Die internationale Staatengemeinschaft unternimmt seit Montag einen weiteren Anlauf zu einem neuen globalen Klimaabkommen. In Bonn begannen die Vorverhandlungen für den Weltklimagipfel im Dezember im mexikanischen Cancun. Kritiker monierten, zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafften Welten.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (ddp/red) - Rund 4200 Unterhändler aus 175 Staaten wollen bis 11. Juni einen neuen Verhandlungstext als Grundlage für ein neues globales Klima-Abkommen erarbeiten, wie das in Bonn ansässige Klimasekretariat der Vereinten Nationen (UNFCCC) mitteilte. Das bisherige Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus. Umweltverbände pochen derweil auf die Notwendigkeit eines baldigen Nachfolgeabkommens.

Zuletzt war Anfang Mai in Bonn bei einem Klimagipfel versucht worden, die seit der gescheiterten UN-Klimakonferenz in Kopenhagen Ende 2009 festgefahrene Debatte wieder in Schwung zu bringen. In Kopenhagen konnten sich die Staaten lediglich darauf einigen, die Erderwärmung um zwei Grad senken zu wollen. Experten sehen die Chancen, dass die Staatengemeinschaft sich bereits in Mexiko auf eine rechtlich bindende Klimakonvention einigen wird, mit Skepsis.

Selbst der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, hatte die Chancen auf einen baldigen Konsens vor einer Woche als "höchst unwahrscheinlich" eingestuft. Frühestens beim übernächsten Gipfel 2011 in Südafrika könne damit gerechnet werden. Am Montag beim Konferenzauftakt appellierte er an die Delegationen, einen Konsens für den Gipfel Cancun anzustreben, der "konkrete und realistische Ziele" beinhalte. Außerdem mahnte er an, die Industrienationen müssten die in Kopenhagen kurzfristig zugesagten Finanzhilfen für die vom Klimawandel besonders betroffenen Entwicklungsländer komplett erfüllen.

Umweltverbände begleiten die Konferenz mit Protesten und fordern einen besseren globalen Klimaschutz. Sie dringen auf ein rasches Zustandekommen eines neuen Klimaabkommens. Am Montag legten Umweltschützer vier Meter lange Mikadostangen vor dem Verhandlungsort aus, um auf die verzwickte Lage hinzuweisen, dass keine der Industrienationen sich zuerst bewegen wolle. Höhepunkt der Proteste soll eine Demonstration am Samstag in Bonn sein, zu der die Veranstalter 1500 Teilnehmer erwarten. Die Polizei rechnet mit "durchwegs friedlichen Protesten".

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, sagte: "Wenn die Industriestaaten weiter so unbeweglich bleiben, wird auch die aktuelle Verhandlungsrunde in Bonn kaum Fortschritte bringen." BUND-Klimaschutzexpertin Antje von Broock verwies auf die Wichtigkeit verbindlicher Zusagen. So müssten die Klimagas-Emissionen binnen der kommenden zehn Jahre im Vergleich zu 1990 um mindestens 40 Prozent gesenkt werden.

Greenpeace-Experte Karsten Schmid bemängelte, dass zwischen dem Anspruch zum Klimaschutz und der Wirklichkeit "eine alarmierende Lücke" klaffe. Er forderte "tiefere und schnellere Einschnitte beim Ausstoß von Treibhausgasen." In Bonn müsse es gelingen, hierzu einen Zeitplan aufzustellen. Europa solle Vorreiter sein, sagte er weiter.

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