Expertise

Umweltrat hält längere Akw-Laufzeiten für überflüssig

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hält die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke einem Pressebericht zufolge für überflüssig. Wie aus einer neuen Expertise vorab verlautete, könne aus Sicht des Gremiums die Stromversorgung vollständig mit erneuerbaren Energien sichergestellt werden.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Wie die Wochenzeitung "Zeit" am Mittwoch vorab aus ihrer neuen Ausgabe berichtet, wird das von der Bundesregierung berufene Professorengremium kommende Woche eine Expertise vorlegen, aus der hervorgeht, dass die Stromversorgung vollständig mit erneuerbaren Energien sichergestellt werden kann. Das Modell sei ein Gegenentwurf zu dem Vorhaben der Bundesregierung, den Atommeilern längere Laufzeiten zu genehmigen, berichtet die Zeitung.

Nach Auffassung des Umweltrats mangelt es nicht an Technologien zur Nutzung regenerativer Stromquellen. Als zentraler Engpass könne sich allerdings der Ausbau des Stromnetzes erweisen. Der 1971 gegründete Sachverständigenrat für Umweltfragen berät die Bundesregierung in umweltpolitischen Themen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bekräftigte dagegen die Notwendigkeit längerer Laufzeiten. Atomenergie sei "die Brücke in eine neue Zeit. Diese Brücke wird vielleicht etwas länger als bislang geplant, aber sicher immer schmaler", sagte er der neuen Ausgabe des Magazins "Stern". Auf genaue Zahlen legte er sich nicht fest. Aber spätestens 2050 müsse die Energieversorgung nahezu C02-frei stattfinden: "Nahezu heißt bis auf vielleicht fünf Prozent. Radikaler geht es nicht." Bis Oktober, wenn die Regierung ihr Energiekonzept vorlege, werde durchgerechnet, welche volkswirtschaftlichen Effekte es bei einer Verlängerung von null, vier, zwölf, 20 und 28 Jahren gäbe, "wie viele neue Arbeitsplätze, welche Investitionen, welche Strompreise", sagte Röttgen.

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