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Umweltministerium: Biblis-Betreiber verstößt gegen Meldepflicht

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums hat RWE als Betreiber von Biblis A in den vergangenen zwei Jahren gegen die atomrechtliche Meldepflicht vertoßen. Jetzt wurde die hessische Atomaufsicht beauftragt, die Fälle zu untersuchen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Der Betreiber des Atomkraftwerks Biblis A hat in den vergangenen zwei Jahren offenbar massiv und fortgesetzt gegen die atomrechtliche Meldepflicht verstoßen. Dies ergab eine vom Bundesumweltministerium veranlasste Nachfrage der hessischen Atomaufsicht bei der Betreibergesellschaft.

Nach dem jetzigen Kenntnisstand hat es in dem AKW wiederholt Probleme beim Hochfahren der Notspeisepumpe gegeben, zum ersten Mal am 3. Januar 2000 und danach mehrfach ab dem 20. August 2001. Die laut Prüfhandbuch vorgesehene Verzugszeit von maximal zehn Sekunden wurde dabei um bis zu 33 Sekunden überschritten. "Eine Überschreitung, die nur auf den ersten Blick unerheblich erscheint. Tatsächlich ist die einwandfreie Funktion der Notspeisepumpen bei Störfällen von großer Bedeutung. Wenn die Notspeisepumpen im Anforderungsfall zu spät oder gar nicht ihre vorgesehene Leistung erbringen, kann es zu einer Überhitzung des Primärkreises und den damit verbundenen Folgen kommen. Immerhin wurde die zulässige Verzugszeit um mehr als 300 Prozent überschritten", heißt es aus dem Bundesumweltministerium. Obwohl diese Probleme der atomrechtlichen Meldepflicht unterlägen, teilte der Betreiber das Vorkommnis vom Januar 2000 erst auf eine vom BMU veranlasste Nachfrage mit. Eine förmliche Meldung sei bis zum heutigen Tage unterblieben.

Das Vorkommnis ist für die Bundesaufsicht Veranlassung, die Meldekultur des Betreibers von Biblis A zu überprüfen. Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat der hessischen Atomaufsicht einen Fragenkatalog vorgelegt, den sie bis morgen beantworten soll. Das BMU will wissen, ob es in dem AKW innerhalb der letzten zehn Jahre vergleichbare Vorfälle gegeben hat und warum der Betreiber seine Meldepflichten nicht erfüllte. Außerdem fragt das BMU, ob der Gutachter die Überschreitung der Startzeiten kannte und ob er an der Prüfung beteiligt war.

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