Realistische Laufzeit

Umweltminister Sander will AKW 45 Jahre laufen lassen

Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) plädiert trotz der jüngsten Störfälle im Atommeiler Krümmel für eine deutliche Erhöhung der Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke von bisher 32 auf 45 Jahre. Bei sicheren Anlagen sei diese Verlängerung "realistisch", sagte er der "Frankfurter Rundschau".

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Frankfurt/Main (ddp-nrd/red) - Bislang ist die Laufzeit durch Strommengen-Festsetzung im Atomkonsens von 2000 auf rund 32 Jahre - plus Stillstandszeiten - festgelegt.

Zum Krümmel-Betreiber Vattenfall sagte Sander: "Im Augenblick ist Vattenfall kein zuverlässiger Betreiber. Mehrfach wurde nachlässig und fahrlässig gehandelt. Wenn es ein Junge wäre, müsste er eins hinter die Ohren kriegen." Die Forderung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nach endgültige Stilllegung von Krümmel kommentierte der FDP-Politiker mit den Worten: "Wenn Herr Gabriel der Meinung ist, Krümmel ist zu unsicher, muss er die Anordnung zum Abschalten geben."

Sander sagte, er halte die Sicherheit des Personals im Bergwerk Asse und der Anwohner des Atommülllagers trotz der neuen Laugenfunde "nach allem, was wir wissen" für gegeben. Er forderte Gabriel auf, die Optionen zur Asse-Stilllegung möglichst schnell vorzulegen. Aber das sei "wohl in Wahlkampfzeiten nicht möglich". Sander: "Mir scheint: Gabriel will vor der Bundestagwahl nicht klar Farbe bekennen. Es könnte ja auch herauskommen: Das Herausholen der Atomfässer ist nicht machbar."

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