Alternativen zu Gorleben

Umweltminister hält an Atommülllager in Niedersachsen fest

Auch bei einem Aus des Endlager-Projekts Gorleben könnte nach Ansicht von Landesumweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) weiter Niedersachsen der Standort für ein künftiges deutsches Atommülllager sein. Zuerst aber soll die Erkundung von Gorleben abgeschlossen werden.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Gorleben (ddp-nrd/red) - Sowohl bei Salz wie auch bei Ton als nach internationalen Kriterien derzeit sichersten Wirtsgesteinen habe man "die größten Lagerstätten hier in Niedersachsen", sagte Sander am Donnerstag dem Sender Hit-Radio Antenne Niedersachsen.

Konkret nannte der Minister Stöcke im Emsland und "im Bereich" Bad Zwischenahn (Landkreis Ammerland), die beim Endlager-Suchverfahren in den 1970er Jahren mit in der Bewertung gewesen seien. Bei einem Scheitern von Gorleben werde man diese Alternativ-Standorte "dann automatisch wieder hervorkramen", sagte Sander.

Wulff gegen weitere Standorte in Niedersachsen

Der Minister stellte klar, dass mit einer Alternativ-Erkundung im Nordwesten aber erst gestartet werden dürfe, wenn die Forschungsarbeiten in Gorleben abgeschlossen seien. "Man muss Gorleben zu Ende erkunden", betonte er in der "Berliner Zeitung".

Auch Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat eine ergebnisoffene Erkundung des Salzbergwerks in Gorleben gefordert. Erst dann könnten Fachleute abschließend über dessen Eignung als atomares Endlager entscheiden. Er widersprach jedoch Äußerungen seines Umweltministers, dass bei einer Ablehnung Gorlebens andere Standorte in Niedersachsen infrage kommen könnten. "Niedersachsen hat mit der Asse, dem Lager Schacht Konrad und Gorleben wirklich genug zu schultern - mehr kann uns nicht zugemutet werden", sagte Wulff.

Empörte Reaktionen zu Sanders Äußerungen

Sander trete "das Wohl des Landes mit Füßen", sagte SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner am Donnerstag in Hannover. Nötig sei eine ergebnisoffene, deutschlandweite Endlagersuche nach rein fachlichen Kriterien. "Niedersachsen kann sich dabei nicht aus der Verantwortung stehlen. Aber alle Bundesländer haben eine Mitwirkungspflicht", sagte Jüttner.

Die Linkspartei sprach von "Kamikaze". Linke-Umweltexperte Kurt Herzog kritisierte, dass Sander "ohne Not" andere niedersächsische Salzstöcke als Endlager ins Gespräch bringe. Immerhin begreife Sander aber offenbar langsam, dass Gorleben wegen geologischer Schwächen, rechtlicher Probleme und regionalem Widerstand verbrannt sei, fügte Herzog hinzu.

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