Beschluss

Türkisch-russische South-Stream-Pipeline soll Ukraine umgehen

Die South-Stream-Pipeline, die die Ukraine umgehen wird, ist nach jahrelangen Verhandlungen nun von Russland und der Türkei beschlossen worden. Damit sind alternative EU-Pläne passé. Russland will über die Pipeline Gas nach Mitteleuropa pumpen.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Istanbul/Ankara (afp/red) - Die neue Pipeline für die Lieferung russischen Erdgases nach Westeuropa soll im Schwarzen Meer über türkisches Gebiet verlaufen. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan besiegelten am Donnerstag in Ankara die Zusammenarbeit bei dem Pipeline-Projekt und im Ölsektor. South Stream umgeht die Ukraine, mit der Moskau seit Jahren um den Gas-Transit streitet.

Das Abkommen zwischen der Türkei und Russland wurde bei einem eintägigen Besuch Putins in Ankara unterzeichnet. Für die Pipeline durch das Schwarze Meer sollen auf türkischem Territorium umgehend geologische Erschließungsarbeiten beginnen. An der Zeremonie zur Unterzeichnung des Abkommens nahm auch der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi teil. Der italienische Energiekonzern ENI arbeitet mit dem russischen Gasriesen Gazprom zusammen.

South Stream steht in Konkurrenz zu dem Pipeline-Projekt Nabucco, das von der EU gefördert wird und ebenfalls über die Türkei verlaufen soll. Mit Nabucco soll jedoch nicht russisches Gas, sondern Gas aus Ländern am Kaspischen Meer und aus dem Nahen Osten in den Westen Europas gelangen.

Der Start der Bauarbeiten für South Stream ist laut Presseberichten für das kommende Jahr geplant. Während des russisch-ukrainischen Gaskonflikts zu Beginn des Jahres hatte die Ukraine den Transit von russischem Erdgas nach Europa für mehr als zwei Wochen blockiert, was zu Versorgungsengpässen in Westeuropa führte.

Nabucco soll von 2014 an jedes Jahr die Lieferung von 31 Milliarden Kubikmetern Erdgas ermöglichen. Die 3300 Kilometer lange Rohrleitung wird etwa acht Milliarden Euro kosten und von der Türkei bis nach Österreich führen. In Anschluss-Pipelines soll das Gas aus den Lieferländern Zentralasiens herangeschafft werden. An dem Projekt ist auch der deutsche Energiekonzern RWE beteiligt.

Allerdings ist bisher unklar, aus welchen Ländern das Gas für Nabucco kommen soll. Aserbaidschan hat seine Teilnahme zugesagt, wird nach Expertenmeinung aber nicht mehr als vier der angestrebten 31 Milliarden Kubikmeter pro Jahr liefern können. Mögliche andere Lieferanten sind Turkmenistan, der Irak und Ägypten.

Putin ließ unterdessen in Moskau mitteilen, dass Russland definitiv die Energie-Charta von 1991 nicht ratifizieren werde. Diese Charta war von 49 Staaten und der Europäischen Union am Ende des Kalten Krieges unterzeichnet worden, um die Zusammenarbeit in Energiefragen zu erleichtern. Sie hätte aus Sicht der EU auch herangezogen werden können, um den Streit zwischen Russland und der Ukraine um den Gas-Transit zu schlichten.

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