Aktuelle Stunde

Trittin: Sellafield-Störfall bestätigt geplanten Atomausstieg

Umweltminister Trittin sieht den rot-grünen Kurs des Atomausstiegs durch den jüngsten Störfall in der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield bestätigt. Nur durch einen Verzicht auf die Atomenergie könnten die mit der Kernkraft verbundenen Gefahren beseitigt werden, sagte Trittin in einer "Aktuellen Stunde".

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Dies gelte für die nukleare Wiederaufbereitung ebenso wie für den Betrieb von Atomkraftwerken. Wer heute eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten erwäge, vermehre nicht nur die Mengen hochgiftigen Atommülls, sondern verlängere auch das Risiko solcher Störfälle wie in Sellafield.

Dem Minister zufolge sind in der Anlage in Sellafield etwa 83 000 Liter hochradioaktiver Säure aus einer abgerissenen Rohrleitung ausgelaufen. Die Lösung sei glücklicherweise in die Bodenwanne einer so genannten "Heißen Zelle" geflossen, so dass es zu einer Freisetzung von Radioaktivität nicht gekommen sei. Trittin verwies zugleich auf Hinweise, denen zufolge die gebrochene Rohrleitung bereits im August 2004 Schäden aufgewiesen habe. Er halte es nicht für akzeptabel, dass die Anlage trotzdem weiter betrieben und der Störfall lange Zeit verschwiegen worden sei.

Der Störfall zeige aber auch, dass die Entscheidung der Bundesregierung richtig gewesen sei, die Wiederaufbereitung deutscher Brennelemente im Ausland zu beenden, fügte der Grünen-Politiker hinzu. Weil die AKW-Betreiber mittlerweile über ausreichende Zwischenlager in Deutschland verfügten, hätten sie die Zahl der ursprünglich vorgesehenen Transporte in die Wiederaufbereitungsanlage nahezu halbiert.

Trittin erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass das novellierte Atomgesetz ab Anfang Juli jeglichen Atommüll-Transport zur Aufbereitung ins Ausland verbietet. Er begrüßte zugleich, dass der letzte geplante Transport zur Wiederaufbereitung abgesagt worden sei.

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