Untauglicher Versuch

Trittin hält gegen Forderung nach Ausstieg aus Ende der Kernenergie

"Es besteht für die Bundesregierung überhaupt kein Anlass, den mit der Stromwirtschaft vereinbarten Atomausstieg in Frage zu stellen", sagte Trittin der "Süddeutschen Zeitung". Entsprechende Überlegungen in der Wirtschaft bezeichnete er als "untauglichen Versuch", mit alter Technik möglichst lange Geld zu verdienen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Frankfurt/Main (ddp/sm) - Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sieht keinen Anlass für eine Aufkündigung des Ausstiegs aus der Kernenergie. "Es besteht für die Bundesregierung überhaupt kein Anlass, den mit der Stromwirtschaft vereinbarten Atomausstieg in Frage zu stellen", sagte Trittin der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe). Entsprechende Überlegungen in der Wirtschaft bezeichnete Trittin den Angaben nach als "untauglichen Versuch", mit alter Technik möglichst lange Geld zu verdienen.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, hatte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe) den Ausstieg aus dem Austieg gefordert. Nur ein breiter Energiemix unter Einschluss der Kernenergie gewährleiste, dass klimapolitische Verpflichtungen erreicht werden könnten, ohne die Energiepreise weiter in die Höhe zu treiben.

Zuvor hatte sich bereits der neue Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Jürgen Thumann, dafür ausgesprochen, zumindest die Laufzeiten der 18 in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke in Deutschland zu verlängern. Auf Druck der Bundesregierung hatten die Betreiber von Atomkraftwerken Mitte 2001 in die planmäßige Stilllegung der deutschen Kernkraftwerke bis spätestens 2020 eingewilligt. Strom aus Kernenergie deckt derzeit knapp 29 Prozent des Strombedarfs.

In einem Positionspapier zur Energiepolitik warnt der DIHK zudem vor den industrie- und sicherheitspolitischen Folgen, wenn sich Deutschland weiter aus der Kernenergieforschung zurückziehe. Dadurch werde nicht nur auf neue Märkte verzichtet, sondern auch auf die Möglichkeit, das Sicherheitsniveau von Reaktoren in Nachbarländern zu beeinflussen. Zwar bestehe derzeit in der Bundesrepublik kein Bedarf an neuen Kernkraftwerken. Die großen deutschen Stromversorger könnten sich aber an entsprechenden Projekten im Ausland beteiligen.

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