Krümmel-Pannen

Trauernicht wirft Vattenfall Verharmlosung vor

Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) hat den Energiekonzern Vattenfall Europe wegen der jüngsten Pannen im Atomkraftwerk Krümmel scharf angegriffen. Im Sozialausschuss des Kieler Landtags sprach Trauernicht am Freitag von einer "Verharmlosung der Geschehnisse".

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Kiel (ddp/red) - Sie erkenne bei dem AKW-Betreiber trotz des "Warnschusses" vom Sommer 2007 "keinerlei offensives Vorgehen" und "keine Sensibilität für die Situation", so die Ministerin.

Der Landtagsausschuss befasste sich in seiner Sitzung mit der Reaktorschnellabschaltung infolge eines Kurzschlusses in einem Maschinentransformator am 4. Juli. Die für Atomaufsicht zuständige Trauernicht bemängelte das Fehlen notwendiger Veränderungen in der Qualitätssicherung des AKW-Betreibers. Sie fügte hinzu: "Es gibt Kernkraftbetreiber, die können es einfach besser."

Die derzeit laufende Zuverlässigkeitsprüfung durch die Atomaufsicht sei gegenüber dem Verfahren nach dem Trafobrand 2007 um neue Elemente wie eine ganzheitliche Analyse erweitert. Es stehe die Frage im Raum, "ob nicht eine Wiederholung des Ereignisses von vor zwei Jahren vorliegt", sagte Trauernicht.

Ihren Angaben zufolge ist die geforderte Einführung einer Audioüberwachung in der Warte derzeit Bestandteil gerichtlicher Auseinandersetzungen. Dies lasse bei ihr Zweifel aufkommen, "ob es eine neue Sicherheitsphilosophie bei Vattenfall gibt". Nach Angaben des Geschäftsführers von Vattenfall Europe Nuclear Energy, Ernst Michael Züfle, will das Unternehmen ein Konzept für eine Audioüberwachung entwickeln.

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