Schluss mit lustig!

Thüringer Wirtschaftsministerium untersucht 27 Stromversorger

Auch in Thüringen nimmt die Kartellbehörde jetzt die Netznutzungsentgelte verschiedener Stromversorger unter die Lupe. Wirtschaftsminister Schuster zeigte sich zuversichtlich einen Missbrauch der Monopolstellung verhindern zu können.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Das thüringische Wirtschaftsministerium hat kartellrechtliche Schritte gegen 27 Netzbetreiber in Thüringen wegen des Verdachts missbräuchlich überhöhter Netznutzungsentgelte (Durchleitungsgebühren) eingeleitet. "Der ungehinderte Netzzugang ist eine notwendige Voraussetzung für funktionierenden Wettbewerb auf dem Strommarkt", begründete Wirtschaftsminister Franz Schuster das Vorgehen. "Wenn etablierte Stromversorger anderen Anbietern willkürlich überhöhte Durchleitungsgebühren abverlangen, ist das ein Missbrauch ihrer Monopolstellung – zum Schaden der Kunden."

Erste Überprüfungen durch die im Wirtschaftsministerium angesiedelte Energiekartellbehörde des Landes hätten ergeben, dass die Nutzungsentgelte der 27 kommunalen Netzbetreiber und Stadtwerke in Thüringen um bis zu 100 Prozent über denen von Referenzunternehmen wie EnBW und RWE liegen. Im Rahmen der inzwischen eingeleiteten Vorverfahren müssen die Unternehmen nun darlegen, inwieweit diese beträchtlichen Preisunterschiede etwa durch die Versorgungs- und Abnehmerstruktur zu rechtfertigen sind. Sollte keine Einigung erzielt werden, will die Energiekartellbehörde den betroffenen Stadtwerken die Höhe der Durchleitungsgebühren vorschreiben. Minister Schuster hofft jedoch auf eine gütliche Einigung. "Allerdings: Überhöhte Preise werden wir nicht akzeptieren."

Neben dem Bundeskartellamt, das ein entsprechendes Vorverfahren gegen die Thüringer Energie AG (TEAG) eingeleitet hat, haben inzwischen sechs bundesweit tätige Stromanbieter Klagen gegen Stromversorgungsunternehmen in ganz Deutschland angestrengt. In Thüringen sind die Stadtwerke Erfurt und Meiningen betroffen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Geld sparen

    Strompreise 2016: Müssen Verbraucher mit Teuerungen rechnen?

    Die Strompreise werden wohl zum Jahreswechsel wieder für viele Verbraucher steigen. Das liegt an der steigenden EEG-Umlage und den höheren Netzkosten. Eine noch größere Rolle spielt aber, in wie weit die Stromanbieter die Preissteigerung weitergeben, schließlich ist der Strom an der Börse so billig wie nie.

  • Stromkosten

    Höhere Netzkosten verteuern den Strom

    Die Netznutzungsentgelte werden in vielen Städten steigen. Das wird sich auf den Stromrechnungen für das kommende Jahr niederschlagen. Allerdings sind die Strompreise an der Börse gefallen, wodurch Preissenkungen von Seiten der Stromversorger möglich sind.

  • Hochspannungsleitung

    Greenpeace energy eG: Zwei Jahre Strom aus kontrolliertem Anbau

    Anlässlich seines zweiten Geburtstages kann der Ökostromversorger Greenpeace energy eine positive Bilanz ziehen. Für das kommende Jahr rechnet die Genossenschaft sogar mit Strompreissenkungen.

  • Hochspannungsleitung

    Neue Stromanbieter klagen gegen Netzbetreiber

    Sechs neue Stromanbieter haben von der Taktik der ehemaligen Monopolisten die Faxen dicke und haben deshalb gegen 13 von ihnen Klage eingereicht. Sie beschweren sich, auch vier Jahre nach faktischer Strommarktöffnung vom Markt ausgeschlossen zu sein.

  • Energieversorung

    Fusion der ostdeutschen Energieversorger unter RWE-Flagge gescheitert

    Der geplante Zusammenschluss von envia, Meag und den Stadtwerken Leipzig ist zunächst auf Eis gelegt. Grund: Die kommunalen Anteilseigner fürchten den Verlust ihres Einflusses und lehnen das Fusionskonzept deshalb ab.

Top