Positivatlas

Thüringen will Windkraft stärker als bisher nutzen

Thüringen will die Windkraft deutlich stärker nutzen als bisher. Es sei realistisch, Windkraftanlagen auf einem Prozent der Landesfläche zu errichten, sagte Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung eines Positionspapiers zur Nutzung der Windenergie.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Erfurt (ddp/red) - Derzeit würden 0,3 Prozent der Fläche genutzt. Bei einer Ausweitung auf ein Prozent ließe sich die installierte Leistung von derzeit 717 Megawatt auf bis zu 3235 Megawatt erhöhen.

Machnig kündigte in Erfurt an, einen Positivatlas in Auftrag zu geben, in dem die in Frage kommenden Flächen ausgewiesen werden. Er sei sich mit Naturschutzverbänden einig, dass Vogelschutzgebiete und Biosphärenreservate grundsätzlich ausgespart bleiben. Außerdem solle das Planungsrecht auf Landesebene überarbeitet werden, um den Bau von Windkraftanlagen zu erleichtern. Machnig wies zudem darauf hin, dass der Bau von Windkraftanlagen sich auch positiv auf die regionale Wirtschaft und den Arbeitsmarkt auswirke.

Der Geschäftsführer des Thüringer Instituts für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, Martin Gude, sagte, Windkraft sei aus dem Energiemix nicht wegzudenken. Zudem unterstütze deren Nutzung die Dezentralisierung der Energieversorgung und forciere die Nutzung regionaler und lokaler Energieressourcen. Mit Blick auf öffentliche Widerstände gegen den Bau von Windkraftanlagen sagte Gude, die Eingriffe in die Natur bei der Nutzung fossiler Energieträger seien viel größer.

Laut Koalitionsvertrag von CDU und SPD will Thüringen bis 2020 den Anteil der Energieproduktion aus regenerativen Quellen von derzeit 16 auf 35 Prozent steigern und damit ein Drittel des eigenen Stromverbrauchs decken. Windenergie werde dafür "einer der Treiber sein müssen", sagte Machnig.

Grünen-Fraktionschefin Anja Siegesmund warf Machnig "Schwachstrom-Reden" vor. "Erst grüner Motor, dann grüne Mobilität, dann Solarförderung und nun die Windparks - Machnigs politische Laufbahn scheint von Erneuerbaren Energien angetrieben zu sein", sagte Siegesmund und fügte hinzu: "Allerdings bleibt es beim Schein, die Realität in Deutschland und speziell in Thüringen sieht anders aus." Zwar verzeichneten die Erneuerbaren Energien beachtliche Zuwächse, von einer konsequenten Wende in der Versorgungspolitik könne jedoch vor allem im Freistaat keine Rede sein.

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