Energiepolitik

Thüringen will künftig verstärkt auf Biomasse setzen

Die thüringische Landesregierung will bei der Energieerzeugung verstärkt auf Biomasse setzen. Noch würden die Potenziale der Bioenergie in den Landkreisen teils höchst unterschiedlich genutzt. Die herkömmlichen Kraftwerke in Thüringen haben im vergangenen Jahr weniger Strom erzeugt als im Jahr zuvor.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Erfurt (ddp/red) - Diese sei eine "tragende Säule der erneuerbaren Energien", sagte Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) am Dienstag in Erfurt. Künftig sollten landwirtschaftliche Nebenprodukte wie Stallmist oder Gülle gezielter als Energielieferant eingesetzt werden. Auf landwirtschaftlichen Nutzflächen sollen mehr Pflanzen zur Energiegewinnung angebaut werden.

Mit einem Anteil von 86 Prozent macht in Thüringen Biomasse den Großteil an erneuerbaren Energien aus. Den Plänen der Landesregierung zufolge soll der Energiebedarf bis zum Jahr 2015 zu 22 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. In diesem Jahr wird ein Anteil von 18 Prozent anvisiert. Um dieses Ziel zu erreichen, muss den Angaben zufolge die Produktion von Biomasse ebenfalls ausgebaut werden. Deutschlandweit nehme Thüringen eine führende Stellung bei der Nutzung erneuerbarer Energien ein, sagte Reinholz.

Die Linke-Fraktion kritisierte die Ziele als unzureichend. "Damit werden wir den Anforderungen des Klimawandels nicht gerecht", sagte der Landwirtschaftsexperte der Linken, Tilo Kummer. Unter anderem müsste die aus Biogasanlagen abgestoßene Wärme effizienter weiterverwendet werden. Momentan bliebe ein großer Teil der Abwärme ungenutzt.

Befürchtungen, wonach durch den Ausbau der Biomasse-Produktion die Erzeugung von Nahrungsmitteln eingeschränkt werden könnte, wies der Umweltminister zurück. Bis zu 25 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche könnte für die Produktion von Energiepflanzen verwendet werden, ohne dass die Ernährung der Bevölkerung gefährdet werde, sagte Reinholz.

Die herkömmlichen Kraftwerke in Thüringen haben im vergangenen Jahr weniger Strom erzeugt als im Jahr zuvor. Wie das Landesamt für Statistik am Mittwoch in Erfurt mitteilte, wurden von den Stromerzeugern brutto 4,3 Millionen Megawattstunden (MWh) bereitgestellt. Das waren 7,9 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Mit einem Anteil von 48,6 Prozent (2,1 Millionen MWh) wurde die meiste Energie aus Erdgas gewonnen. In Pumpspeicherwasserkraftwerken wurden 41,4 Prozent (1,8 Millionen MWh) des Stroms erzeugt. Der Anteil der erneuerbaren Energieträger fiel mit 9,1 Prozent vergleichsweise niedrig aus (0,4 Millionen MWh).

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