Preisentwicklung

Teyssen fordert Stromkosten-Zuschlag für Hartz IV

E.on-Chef Johannes Teyssen verlangt einen Stromkosten-Zuschlag für Empfänger von Hartz IV. Die durch die Energiewende steigenden Strompreise könnten von Geringverdienenden nicht geschultert werden. Reaktionen aus Grünen- und Linke-Fraktion weisen dagegen auf die Verantwortung der Energiekonzerne hin.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Köln/Berlin/Hamburg (dapd/red) - E.on-Chef Johannes Teyssen fordert angesichts steigender Strompreise von der Bundesregierung einen Stromkosten-Zuschlag für Empfänger von Hartz IV. Die Mehrkosten für den Strom würden vom staatlichen Drängen hin zu erneuerbaren Energien verursacht, sagte der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Energieversorgers "Spiegel Online".

Teyssen fordert Erstattung der Strom-Mehrkosten in Hartz-IV

Die Ökostrom-Umlage, die alle Verbraucher über ihre Stromrechnung bezahlen, könne im kommenden Jahr von derzeit knapp 3,6 Cent pro Kilowattstunde auf mehr als fünf Cent steigen, sagte der Konzernchef. Das bedeute Mehrkosten von bis zu 50 Euro pro Jahr und sei für Menschen mit geringem Einkommen ein ernsthaftes Problem.

"Hartz-IV-Empfänger bekommen die Verteuerung ihrer Heizkosten in voller Höhe erstattet", sagte Teyssen. Für die Strompreise gelte dies dagegen nicht. "Es sind politische, nicht unternehmerische Entscheidungen gefallen, die Strom teurer machen", sagte Teyssen mit Blick auf den Atomausstieg und die angestrebte Energiewende. Die Bundesregierung könne nun nicht behaupten, damit nichts zu tun zu haben.

Grünen-Fraktion: Günstigere Stromtarife statt Zuschläge für Hartz IV

Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, sieht dagegen keinen Grund für eine Belastung des öffentlichen Haushaltes durch einen Stromzuschlag. "Der Schwarze Peter darf jetzt nicht den Falschen zugeschoben werden. Der große Teil der Wirtschaft profitiert von den übermäßigen Umlagebefreiungen. Es ist frech, nun zu fordern, der Staat solle die dadurch erhöhten Preise bei den Verbrauchern ausgleichen", sagte Höhn. Der richtige Weg sei ein Abbau von Subventionen.

So seien günstigere Stromtarife eine bessere Lösung, um die Mehrkosten für Strom abzumildern. Die Energieversorger sollten dafür sorgen, dass eine bestimmte Menge von Kilowattstunden billiger angeboten werde, sagte die Grünen-Politikerin am Freitagmorgen im ARD-"Morgenmagazin". In dieser Frage sei die Politik gefragt, die entsprechende Vorgaben machen sollte. Möglichkeiten, um "aus der Falle steigender Stromkosten" herauszufinden, wären etwa Münzzähler oder der Austausch von alten Kühlschränken nach dem Vorbild Großbritanniens. Auch eine Förderung aus einem Energiesparfonds sei denkbar. Höhn sieht zudem die Energiekonzerne in der Pflicht, zukünftig die Einspareffekte durch Erneuerbare Energien an Stromkunden weiterzureichen.

Linken-Vorsitzende Kipping fordert Sozialtarife

Die neue Linken-Vorsitzende Katja Kipping hält den Vorschlag von Teyssen zumindest zeitweise für eine mögliche Lösung. "Die Forderung ist als Übergangslösung zu unterstützen", sagte sie der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Damit würden allerdings die Kommunen die Energiekonzerne finanziell unterstützen. "Der bessere Weg wäre, die Energie-Multis würden endlich Sozialtarife einführen", sagte Kipping.

Sie erinnerte daran, dass immer mehr Menschen der Strom abgedreht werde, "weil die Rechnungen für sie unbezahlbar geworden sind". Die großen Stromkonzerne könnten sich nach Ansicht Kippings einen Tarif für Kunden mit geringem Einkommen problemlos leisten: "Ihre Gewinne wären dennoch nicht in der roten Zone", sagte sie.

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