E-Plus-Übernahme

Telefónica zu weiteren Zugeständnissen bereit

Der spanische Telekomkonzern Telefónica geht bei der erhofften E-Plus-Übernahme schrittweise auf die Wettbewerbshüter zu. Weitere Kunden oder Frequenzbereiche will man jedoch nicht abgeben

o2© Telefónica

London/München (dpa-AFX/red) - Die Madrilenen hätten ihre Zugeständnisse an die EU-Kommission noch einmal erweitert, berichtete die "Financial Times" am Mittwoch unter Berufung auf ein von ihr eingesehenes Dokument. Allerdings wolle der Konzern im Fall einer Fusion auf dem deutschen Mobilfunkmarkt keine weiteren Kunden oder Frequenzbereiche abgeben.

Kommt ein neuer Netzbetreiber?

Telefónica habe Konkurrenten jedoch die Mitnutzung städtischer WLAN-Netze auf Basis der eigenen Infrastruktur in Aussicht gestellt, schrieb das Blatt. Bislang stand demnach im Raum, dass ein neuer Konkurrent auf dem deutschen Markt das zusammengelegte Netz des neuen Mobilfunkunternehmens nutzen können sollte. Das könnte aber nicht reichen: Brüssel will dem Vernehmen nach die Möglichkeit eines neuen, dann vierten Netzbetreibers in Deutschland schaffen. Dazu braucht es freie Frequenzen - und Kunden.

Höhere Preise für Verbraucher befürchtet

Die Aufseher fürchten beim Wegfall eines von vier Konkurrenten deutlich höhere Preise auf dem Markt. Der Kauf ist damit auch ein Test für den europäischen Telekomsektor, ob die Behörden eine weitere Konzentration der Branche erlauben. Die Brüsseler Kartellwächter wollen außerdem die Messlatte für künftige Fälle hoch legen: Sind sie im aktuellen Fall zu nachgiebig, könnte das eine Welle ähnlicher Deals auslösen, bei dem die Unternehmen auf weiche Auflagen drängen.

Geschäftszahlen: Schwierige Zeiten für Telefónica

Telefónica Deutschland steht vor der geplanten Fusion mit dem Konkurrenten E-Plus auf dem deutschen Markt weiter unter Druck. Der harte Wettbewerb ließ den Umsatz der Münchener im ersten Quartal auf 1,12 Milliarden Euro sinken, wie das im TecDax notierte Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Das war fast neun Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zudem investiert das Unternehmen weiter in den Ausbau seiner Netze und ringt um Kunden - die Kosten dafür zogen aber den Gewinn nach unten. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Oibda) fiel um knapp ein Sechstel auf 234 Millionen Euro, der Nettoverlust schwoll mit 40 Millionen Euro auf das Dreifache an.

Auch auf Kundenseite bleibt das Geschäft schwierig, Telefónica Deutschland verlor bei Festnetzanschlüssen weiter an Boden. Im Mobilfunk sanken die durchschnittlichen Umsätze pro Kunde, die Anschlusszahlen hielt der Konzern aber stabil.

Quelle: DPA

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