Razzia im Büro

Teldafax: Staatsanwaltschaft vermutet Insolvenzverschleppung

Mit den Geschäften des klammen Energieversorgers Teldafax befasst sich nun auch die Bonner Staatsanwaltschaft. Am Montag durchsuchten Ermittler Büros der Troisdorfer Teldafax Holding und von deren Tochtergesellschaften sowie Privaträume von Beteiligten, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Bonn/Troisdorf (afp/red) - Sie wirft den Betroffenen Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßigen Betrug vor. Teldafax hatte am 14. Juni Insolvenzantrag gestellt. Bereits seit Monaten gab es Hinweise auf finanzielle Schwierigkeiten beim Gas- und Stromanbieter.

Nach bisherigen Erkenntnissen bestehe der Verdacht, dass Teldafax seine Kunden schon nicht mehr profitabel beliefern konnte, seitdem es im Jahre 2008 Strompreis-Erhöhungen gegeben hatte. Das Unternehmen habe in der Folge hohe Verluste erwirtschaftet, "die in den Folgejahren nicht bilanziell ausgeglichen werden konnten". Es bestehe der Verdacht, dass das Unternehmen "wegen bilanzieller Überschuldung und fehlender positiver Fortführungsprognose" schon lange vor dem 14. Juni Insolvenzantrag hätte stellen müssen.

Darüber hinaus hegt die Staatsanwaltschaft den Verdacht, dass das Unternehmen trotz seiner desolaten wirtschaftlichen Lage weiter eine Vielzahl von Verträgen abschloss, nur um die dadurch fälligen Vorauszahlungen zu bekommen.

Netzbetreiber warfen Teldafax raus

Teldafax machte sich einst einen Namen als Billiganbieter von Strom und Gas. Das System des Unternehmens sah es vor, dass Kunden dank spezieller Angebote günstig Energie beziehen, dafür aber Vorauszahlungen leisten. Mit dem Geld der Vorauszahlungen sollten dann ausstehende Kosten gezahlt werden können. Doch in den vergangenen Monaten war Teldafax mehrmals aufgefallen, weil es seine Rechnungen nicht mehr bezahlt haben soll. Netzbetreiber hatten den Billigenergie-Anbieter deshalb aus ihrem Stromnetz geworfen. Teldafax hatte dazu zunächst angegeben, in unprofitablen Gebieten absichtlich keine Vorauszahlungen mehr geleistet zu haben, um sich aus diesen Regionen zurückzuziehen.

Anfang des Monats hatte der Konzern vorzeitig seinen Sponsorenvertrag mit dem Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen aufgelöst. Eineinhalb Wochen später folgte der Insolvenzantrag. Drei Tage darauf kündigte das Unternehmen an, seine Kunden vorerst nicht mehr mit Strom und Gas zu beliefern.

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