Gutachten

Tanken könnte durch neue Meldestelle noch teurer werden

Experten üben massive Kritik an den Plänen von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zur Einrichtung einer Meldestelle für Benzinpreise. In einem Gutachten, über das die "Wirtschaftswoche" vorab berichtete, warnt der Wissenschaftliche Beirat des Ministeriums, die Einführung einer solchen Stelle sei "kontraproduktiv".

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Düsseldorf (dapd/red) - Ein "Übermaß an Markttransparenz" erhöhe bei einer Handvoll beherrschender Konzerne sogar noch "die Wahrscheinlichkeit von abgestimmtem Verhalten", sagte Beiratsmitglied Alexander Eisenkopf von der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen dem Magazin. "Dann könnte Tanken eher teurer als günstiger werden."

Der Großhandel sei der bessere Lösungsansatz

Die Experten empfehlen stattdessen, beim Großhandel anzusetzen. Ähnlich hatte sich unlängst bereits die Monopolkommission der Bundesregierung geäußert. Statt einer beim Kartellamt angesiedelten zentralen Meldestelle empfahl sie eine Online-Datenbank in Form eines "Spritpreis-Navis".

Warum die Monopolkommission Benzinpreisnavis will

Ein verbrauchernahes Onlineportal sollte Autofahrern einen Vergleich der Benzinpreise in Echtzeit ermöglichen, sagte der Vorsitzende der Kommission, Justus Haucap, am 6. Juli. Möglichst solle das Navigationsgerät im Auto dem Fahrer den Weg zur günstigsten Tankstelle in seiner Umgebung weisen. So könnten die Verbraucher die Mineralölkonzerne ganz anders unter Druck setzen, betonte Haucap.

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