Trotz Liberalisierung

Tagesspiegel: Berliner Gaspreise fallen nicht

Trotz der Liberalisierung auf dem Gasmarkt werden die Berliner Verbraucher noch lange auf neue Anbieter warten müssen. "Bisher hat kein Mitbewerber einen Antrag auf Nutzung unseres Gasnetzes gestellt", sagte eine Sprecherin des lokalen Monopolisten Gasag dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe).

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (red) - Nach Ansicht von Experten dürfte sich daran so bald nichts ändern: "Neben der Gasag werden sich auf absehbare Zeit keine weiteren Gasversorger auf den Berliner Markt vorwagen", sagte Hans-Peter Schwintowski, Direktor des Instituts für Energie- und Wettbewerbsrecht an der Berliner Humboldt-Universität. Das glaubt auch Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher: "Vor dem Jahr 2007 rechne ich mit keinem echten Wettbewerb."

"Wer in den Berliner Markt will, müsste das zu einem niedrigeren Preis tun als die Gasag", erklärte Schwintowski. "Das aber senkt die Gewinnmarge - und das will keiner." Auch bei der Gasag sehe man diesen Zusammenhang: "Der Einkaufspreis von Gas plus die Durchleitung durch unser Netz sind für andere Anbieter immer teurer als unser Preis", gibt die Unternehmenssprecherin offen zu. "Nur bei enorm vielen Kunden kann das für andere Anbieter rentabel sein."

Das Nachsehen haben die Kunden: "Ohne Wettbewerb werden die Gaspreise so hoch bleiben wie bisher", befürchtet Verbraucherschützer Peters.

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