Erderwärmung

Studien: Klimawandel bedroht Städte und vergrößert Armut

Der Klimawandel wird einer Studie zufolge die armen Länder der Welt besonders hart treffen. Krankheit und Unterernährung seien die Folgen. Einer weiteren Studie zufolge wird selbst eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad nicht verhindern können, dass Städte wie Hongkong oder New York zum Teil im Meer versinken.

Flut© mediaagentur / Fotolia.com

Washington (dpa/afp/red) - Der Klimawandel könnte nach einer Studie der Weltbank in den nächsten 15 Jahren zusätzliche 100 Millionen Menschen in die Armut stürzen. Am härtesten betroffen wären die ohnehin schon ärmsten Regionen in der Welt - das Afrika südlich der Sahara und Südasien, heißt es in dem am Sonntag veröffentlichten Report. Die Warnung kam wenige Wochen vor der internationalen Klimakonferenz in Paris, bei der es auch um Hilfen für ärmere Länder beim Umgang mit den Folgen des Treibhauseffekts gehen wird.

Temperaturanstieg erhöht Risiko für Malaria-Erkrankungen

Der Studie zufolge könnten Ernteverluste durch den Klimawandel bis 2030 in Teilen Afrikas zu deutlich höheren Lebensmittelpreisen führen, mit drastischen Auswirkungen auf arme Haushalte. Unterernährung könne eine erhebliche Zunahme von Entwicklungsstörungen nach sich ziehen. Auf globaler Ebene drohe bei einer Erwärmung um zwei bis drei Grad Celsius ein Anstieg des Risikos von Malaria-Erkrankungen: Zusätzliche 150 Millionen Menschen könnten betroffen sein.

Forscher: Klimaanstrengungen und Entwicklungsarbeit verzahnen

Um zu verhindern, dass dieses ernste Szenario Wirklichkeit wird, raten die Autoren der Studie zu einer engeren Verzahnung von Klimaerwägungen mit Entwicklungsarbeiten. So müssten etwa Programme zur Verringerung der Armut verstärkt und mit Infrastrukturmaßnahmen zur Abfederung der Folgen des Klimawandels gekoppelt werden. Dazu gehörten etwa Deiche und Entwässerungssysteme, um besser mit Überflutungen fertig werden zu können.

Studie: Erderwärmung bedroht Städte

Eine andere Studie kommt zu dem Ergebnis, dass selbst bei Erreichen der internationalen Klimaziele Städte wie Shanghai, Hongkong oder Mumbai auf längere Sicht bedroht sind. Eine Erderwärmung um zwei Grad über dem Temperaturdurchschnitt vorindustrieller Zeit, wie es das erklärte Ziel der Weltgemeinschaft ist, "bedeutet langfristig eine existenzielle Bedrohung für zahlreiche Städte und Küstenregionen", heißt es in einer am Sonntag von dem Forschungsinstitut Climate Central veröffentlichten Studie. Die genannten Megastädte könnten zu Teilen überflutet werden und unter den Wassermassen verschwinden.

Neues Klimaabkommen soll im Dezember geschlossen werden

Die Studie wurde ebenfalls nur wenige Wochen vor dem Beginn des UN-Klimagipfels in Paris veröffentlicht, bei dem Vertreter aus 195 Staaten ein neues weltweites Klimaabkommen zur Reduzierung von Treibhausgasen aushandeln wollen. Das Abkommen, das erstmals auch die Schwellen- und Entwicklungsländer zur Reduzierung ihres Kohlendioxidausstoßes verpflichten soll, soll vom Jahr 2020 an das Kyoto-Protokoll ablösen.

Erklärtes Ziel der Weltgemeinschaft ist es, die globale Erwärmung auf zwei Grad über dem Temperaturdurchschnitt vorindustrieller Zeit zu begrenzen. Dadurch sollen das Schmelzen der Gletscher, ein Anstieg der Meeresspiegel sowie eine Zunahme von Stürmen und anderen extremen Wetterphänomenen begrenzt werden.

Forscher: New York, Tokio und Kalkutta sind bedroht

Die Forscher hoben in ihrem Bericht nun hervor, dass selbst bei Erreichen des Zwei-Grad-Zieles der Meeresspiegel weiter ansteigen würde und ein Gebiet überfluten würde, in dem heute 280 Millionen Menschen leben. Bei einer Erwärmung um vier Grad wären demnach sogar 600 Millionen Menschen betroffen.

Besonders bedroht sind bei den Großstädten demnach unter anderen Hongkong, Kalkutta, Jakarta, Shanghai, Mumbai, Buenos Aires, New York oder Tokio.

Bei der Zeitspanne, in der der Meeresspiegel so ansteigt, wollten sich die Forscher nicht festlegen. Ob in - wohl weniger wahrscheinlichen - 200 oder 2.000 Jahren sei schwer abzuschätzen, hieß es in der Untersuchung. Es hänge auch von den Maßnahmen ab, die gegen den Ausstoß von Treibhausgasen und die Erwärmung umgesetzt würden. Die Prognosen beziehen die Ausdehnung der Meere bei einer höheren Wassertemperatur oder das Schmelzen der Gletscher mit ein.

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