A.T. Kearney

Studie: Industriekunden und Finanzminister Gewinner der Strommarktliberalisierung

In einer umfassenden Studie hat die Managementberatung A.T. Kearney den deutschen Strommarkt seit seiner Liberalisierung untersucht. Ergebnis: Industriekunden und der Finanzminister sind die eindeutigen Gewinner, Privathaushalte profitierten kaum und die absoluten Verlierer sind die Stromversorger.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Industriekunden und der Finanzminister sind die eindeutigen Gewinner der Strommarktliberalisierung, während die Privathaushalte kaum von den Neuerungen profitieren und vergleichsweise hoch besteuert werden. Die eindeutigen Verlierer der Liberalisierung sind jedoch die Stromversorger: Drastische Umsatzeinbußen zwingen sie zu Produktivitätssteigerungen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Managementberatung A.T. Kearney.

Energiepreissteigerungen, Druck auf die Netznutzungsentgelte, Produktivitätsgewinne, erhöhter Investitionsbedarf und ein zu erwartender weiterer Arbeitsplatzabbau von etwa 15 Prozent bis zum Jahr 2006 sind laut Studie die Folgen für die Stromversorger. "Die Stromversorger senkten aus Gründen der Kundenbindung die Großkundenpreise - teilweise sogar bis unter die Erzeugungskosten", beschreibt Florian Haslauer, Mitglied der Geschäftsleitung von A.T. Kearney und Leiter der Studie, die Situation. Mittlerweile seien die Stromkosten der Industrie durch Steuer- und Abgabenerhöhungen und die Annäherung des Strompreises an den Großhandelspreis zwar wieder gestiegen, "doch im Vergleich zu 1995 beträgt die Nettoersparnis für die Industrie 3,5 bis 4 Milliarden Euro pro Jahr", so Haslauer.

Im Gegensatz dazu brachte die Liberalisierung Kleinverbrauchern wie Gewerbebetrieben und Haushalten nur minimale Vergünstigungen: "Zwar senkten die Stromversorger im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes die Preise für Kleinkunden um durchschnittlich 20 Prozent. Doch diese Preissenkungen wurden durch Erhöhung der Abgaben und Steuern fast vollständig wieder ausgeglichen", erläutert Energieexperte Haslauer. Damit liege die jährliche Nettoersparnis für Kleinverbraucher - verglichen mit dem Jahr 1997 - bei bescheidenen 40 Millionen Euro im Jahr 2003.

"Steuern und Abgaben sind kontinuierlich gestiegen, so dass Strom in Deutschland im europäischen Vergleich überdurchschnittlich stark besteuert wird", erläutert Haslauer weiter. "Der Steueranteil für den Haushaltskunden ist von 25 Prozent des Gesamtstrompreises im Jahr 1998 auf 40 Prozent im Jahr 2003 gestiegen - zwei Drittel davon wandern direkt ins Bundesbudget." Daher sei der Finanzminister der "Hauptgewinner der Energiemarkt-Liberalisierung". Ab 1999 flossen jährlich knapp 1,8 Milliarden Euro Stromsteuer in die Staatskasse. Im Jahr 2002 hat sich diese Summe mit fast 5,1 Milliarden Euro bereits fast verdreifacht.

Die Stromversorger indes würden durch drastische Umsatzeinbußen zur Produktivitätssteigerung gezwungen. Die Umsätze der deutschen Elektrizitätsunternehmen sanken im Zeitraum 1995 bis 2000 von 41,5 auf 34,1 Milliarden Euro - ein Minus von 18 Prozent. Für die Stromversorger brachte die Liberalisierung außerdem Mehraufwand mit sich, da sie neue Funktionen wie Bilanzgruppenmanagement und zusätzliche Vertriebsaufgaben übernehmen mussten. Dies hatte zur Folge, dass zur Steigerung der Produktivität bereits in der Vergangenheit massiv Stellen gestrichen wurden. Um rund zehn Prozent wurde die Personalkapazität im Vorfeld der Marktöffnung zwischen 1995 und 1998 gekürzt sowie um weitere 18 Prozent in der Phase der vollständigen Liberalisierung zwischen 1998 und 2002.

Für den regulierten Wettbewerbsmarkt prognostizieren die Experten von A.T. Kearney bis 2006 sogar einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen um etwa 15 Prozent. "Entsprechend der Senkung des Personalstandes und dem jährlich um etwa ein Prozent steigenden Absatz wird die Produktivität der Mitarbeiter der Stromversorger weiter zunehmen müssen", bemerkt Haslauer abschließend.

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