Aktuelle Zahlen

Studie: Grenzenloses Europa beim Strom in weiter Ferne

Die Liberalisierung der europäischen Energiemärkte ist noch immer uneinheitlich. Während Deutschland und Großbritannien ihre Energiemärkte bereits zu 100 Prozent geöffnet haben, liegt der Marktanteil der ehemaligen Monopolisten in Frankreich bei 90 und in Belgien bei 92 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Cap Gemini hervor.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Ein grenzüberschreitender europäischer Markt für Strom ist trotz der zunehmenden Deregulierung auf nationaler Ebene noch immer in weiter Ferne. So liegt der Marktanteil des ehemaligen Monopolisten EdF in Frankreich trotz der Öffnung des Marktes bei über 90 Prozent. Ähnlich in Belgien, wo Electrabel weiterhin 92 Prozent des heimischen Marktes beherrscht. Anders dagegen in Deutschland und Großbritannien: Die wichtigsten Unternehmen wie E.ON, RWE oder British Energy können dort jeweils weniger als 25 Prozent Marktanteil auf sich vereinigen. Das zeigt die aktuelle, halbjährliche Untersuchung des European Energy Markets Deregulation Observatory von Cap Gemini Ernst & Young und Enerpress für den Zeitraum April bis Oktober 2002.

Handel hat keinen Einfluss auf Großhandelspreise

Auch der länderübergreifende Stromhandel hat laut Studie derzeit wenig Einfluss auf die Bildung eines gesamteuropäischen Marktes. Die Handelsaktivitäten hätten in erster Linie den Zweck, Systemsicherheit und Systemzuverlässigkeit zu gewährleisten und keinen Einfluss auf eine Angleichung der Großhandelspreise diesseits und jenseits der Grenzen.

Ziele der Marktliberalisierung sind anspruchsvoll

Betrachtet man das im freien Wettbewerb stehende Gesamtenergievolumen, liegen Deutschland und Großbritannien an der Spitze. Beide Länder hätten die von der Europäischen Union festgelegte vollständige Öffnung der Märkte für Industrie- und kommerzielle Kunden bis 2004 und für Privatkunden bis 2007 bereits umgesetzt. Andere Länder wie Frankreich oder Italien stünden diesbezüglich noch vor großen Herausforderungen. "Die neuen Ziele der Marktliberalisierung sind sicher anspruchsvoll - insbesondere für jene Länder, die den Wettbewerb im Stromsektor überhaupt noch nicht zugelassen haben. Aber sie können von den Erfahrungen der anderen Länder profitieren. Entscheidend wird sein, möglichst schnell mit der Umsetzung zu beginnen", rät Bernd Wöllner, Principal im Bereich Energy & Utilities bei Cap Gemini Ernst & Young.

Erzeugerpreise sinken

Im Vergleich zur vorherigen Untersuchung waren allerdings nur kleine Fortschritte bei der Deregulierung der Märkte zu verzeichnen. Sie führten insgesamt nur zu geringen Preisveränderungen im Zeitraum Januar bis Juli 2002. Laut Studie herrschen jedoch große Unterschiede bei den reinen Erzeugerpreisen (ohne Steuern) in Europa. In Deutschland, Belgien oder Portugal kostet Strom für viele Unternehmen mehr als doppelt soviel als in Schweden. Dennoch sanken die Großverbraucherpreise ohne Steuern in Deutschland abhängig von der Abnahmemenge um bis zu vier Prozent.

Privatkundenpreise in liberalisierten Märkten sinken

Im Privatkundensegment sei europaweit eine zweigeteilte Entwicklung zu verzeichnen. Auf der einen Seite, fallen (mit Ausnahme Finnland) die Nettopreise in den Ländern mit einem freien Markt. Insbesondere in Österreich seien die Preise sechs Monate nach der vollständigen Marktöffnung um 13,6 Prozent gesunken. Auf der anderen Seite würden die Preise in weiterhin nicht deregulierten Märkten steigen. Unrühmliche Spitzenreiter sind laut Studie die Niederlande und Belgien.

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