Europas Energieexperten

Studie gibt Auskunft über zukünftige Entwicklungen im Energiesektor

Die Ergebnisse der europaweiten Delphi-Befragung unter Leitung des IZT wurden gestern zusammen mit der dena in Berlin vorgestellt. Das Ergebnis zeigt, dass die Zukunft der Nuklearenergie umstritten ist. Die Bedeutung erneuerbarer Energien und damit auch die von Speicherkapazitäten wachse jedoch immer mehr.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Eine neue Studie gibt Auskunft über die langfristigen Entwicklungen im europäischen Energiesektor bis zum Jahr 2030. Sie wurde von einem internationalen Forschungskonsortium unter Leitung des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung Berlin (IZT) erstellt. Kernstück des von der EU geförderten Forschungsprojektes war eine Delphi-Befragung in allen EU-Staaten und den osteuropäischen Beitrittsländern. 670 internationale Experten beteiligten sich an der Umfrage "European Energy Delphi" (EurEnDel). Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) und das IZT präsentierten die Ergebnisse gestern in Berlin.

Den Teilnehmern der Umfrage wurden drei Visionen skizziert. Die erste Vision fragte nach der optimalen Energieversorgung einer überwiegend nach wirtschaftlichen Kriterien ausgerichteten Gesellschaft, die zweite Vision war mit dem Energiepfad einer Gesellschaft verknüpft, die der Ökologie höchste Priorität einräumt und die dritte Vision war mit der Frage verbunden, welche Energieversorgung einer am sozialen Ausgleich ausgerichteten Gesellschaft am besten entspricht. Bei allen drei Visionen erhielt die Verbesserung der verbrauchsorientierten Strategien, mit dem Ziel den Energiebedarf zu senken, immer die höchste Priorität. Gleichzeitig zeigten die Analysen, dass gerade in diesem Bereich das Risiko einer Unterfinanzierung am höchsten ist.

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass es aus Sicht der Experten im Zeithorizont 2030 keinen "Business-as-usual"-Entwicklungspfad für das europäische Energiesystem gibt. Thematisiert wurden auch erneuerbare Energien, Fusionsenergie, Kernspaltung und alternative Treibstoffe. "Energieeffizienz ist das Schlüsselthema der Zukunft - es geht darum, aus jeder eingesetzten Kilowattstunde den größtmöglichen Nutzen zu ziehen und damit unnötigen Energieeinsatz zu vermeiden. Hier ist ein großes gesellschaftliches Umdenken erforderlich", erläuterte Stephan Kohler, Geschäftsführer der dena.

Die Studie zeige auch, dass sich die Ziele der EU und Deutschlands in Hinblick auf Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen nur durch eine Reduzierung des Energieverbrauches erreichen lassen. Eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energieträger wurde von den Experten als sehr positiv und dringend notwendig bewertet, jedoch als allein nicht ausreichend eingestuft. Wie hoch der Beitrag aus erneuerbaren Quellen am Gesamtverbrauch sein kann, hänge stark davon ab, ob der Verbrauch durch effiziente Anlagen und Systeme eingeschränkt werden kann. Einen Anteil von 25 Prozent Erneuerbarer an Europas Energieverbrauch hält die Mehrheit der Befragten noch vor 2030 für möglich, wenn die Rahmenbedingungen in Richtung Energieeffizienz und Förderung der regenerativen Energien entsprechend gesetzt werden.

Sichere Vorhersagen wie Europas Energiesystem der Zukunft aussehen wird, ließen sich jedoch aufgrund der Delphi-Befragung nicht machen. Als zu groß wird der derzeitige Wandlungsprozess eingeschätzt. Zu groß seien auch die Unsicherheiten, die diesen Prozess auf globaler Ebene beeinflussten. Große Einigkeit unter den Experten herrschte jedoch bei der Aussage, dass Europas Energiesystem in Zukunft wesentlich dezentraler organisiert sein wird. Zur Stromerzeugung wird ein Anteil kleiner Anlagen von 30 Prozent bis zum Jahre 2020 erwartet.

Timon Wehnert, Projektleiter am IZT, prognostiziert: "Die Bedeutung erneuerbarer Energiequellen wird deutlich zunehmen. Und zur Integration von Erneuerbaren wird wiederum der Bedarf für Energiespeichertechnologien steigen." Um den Bedarf an Energiespeichertechnologien zu decken, sollten nach Ansicht der befragten Experten unterschiedliche Technologien (Batterien, Hochleistungskondensatoren, Schwungräder, etc.) weiterentwickelt werden.

Die Studie wird ab Anfang Dezember im Internet zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt, vorläufige Ergebnisse sind dort bereits jetzt veröffentlicht.

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