Enttäuschend

Studie: Firmen nutzen Sparpotenzial bei Stromeinkauf nicht aus

Das Münchner Beratungsunternehmen Bain hat mehr als 100 Sondervertragskunden befragt und dabei festgestellt, dass die Unternehmen ihr Sparpotenzial beim Stromeinkauf nicht ausreichend nutzen. Gleichzeitig ergab die Studie, dass für Energieberatung und Multi-Utility-Konzepte der Versorger kein Bedarf besteht.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Den Strommarkt in Deutschland kennzeichnet ein Paradoxon: Während sich die Kunden über die Gesamtentwicklung nach der Marktliberalisierung in hohem Maß unzufrieden äußern, sind sie mit dem eigenen Stromanbieter weitgehend zufrieden. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von Bain & Company, für die das Beratungsunternehmen mehr als 100 Sondervertragskunden befragte. Danach haben auch nach der Marktöffnung lediglich 30 Prozent der Befragten ihren Stromlieferanten gewechselt. Die von den Stromanbietern teilweise mit viel Aufwand entwickelten Multi-Utility-Konzepte und andere maßgeschneiderte Dienstleistungsangebote werden offenbar nur wenig angenommen oder gehen am Bedarf vorbei. Zentrales Einkaufskriterium ist nach wie vor der Preis. Klares Fazit von Bain-Director Dr. Klaus-Dieter Maier: "Für die Stromunternehmen, aber auch für die Sondervertragskunden, ist das nach fünf Jahren Wettbewerb ein enttäuschendes Ergebnis."

Hat eigene Strategie den Wettbewerb gefördert?

Viele Stromexperten in Industrie, Handel und öffentlichen Einrichtungen machen die Abschöpfungsstrategie des Staates mit immer höheren Abgaben für die nicht zufriedenstellende Entwicklung seit der Liberalisierung des Strommarktes verantwortlich. Mehr als Dreiviertel der Strom-Sondervertragskunden geht deshalb von weiter steigenden Strompreisen aus. Bain-Manager Dr. Axel Geuer hält das für nicht richtig: "Die Kunden müssen sich auch selbst fragen, ob sie durch ihre eigene Einkaufsstrategie in der Vergangenheit den Wettbewerb hinreichend gefördert haben." Dabei haben laut Studie Großabnehmer die Marktliberalisierung deutlich besser genutzt. Durch Investitionen und organisatorische Maßnahmen konnten Dreiviertel der von Bain & Company befragten Industrieunternehmen mit einem Abnahmevolumen mehr als 50 Gigawattstunden pro Jahr Preissenkungen von mehr als 18 Prozent erzielen.

Wichtig: Größere Wechselbereitschaft

Die Wechselbereitschaft spielt nach wie vor eine große Rolle. 60 Prozent der im Rahmen der Bain-Untersuchung befragten Unternehmen hätten in den letzten fünf Jahren ihren Anbieter gar nicht und 30 Prozent nur ein oder zwei Mal gewechselt. "Ohne größere Wechselbereitschaft und ohne systematischere, druckvollere Einkaufsverhandlungen aber können die Kunden keine weiterreichenden Effekte aus dem Stromwettbewerb erwarten", kritisiert Bain-Energie-Experte Maier. Er empfiehlt Stromeinkäufern, Kompetenzen für Strom auf- und auszubauen und die Marktpotenziale bundes- und europaweit auszuschöpfen.

Multi-Utility ist überflüssig

Energieanbieter sollten ihre Angebote überdenken, denn laut Studie sehen Sondervertragskunden für Energieberatung und bestehende Multi-Utility-Konzepte keinen besonderen Bedarf. Andere Dienstleistungen sowie maßgeschneiderte Produkte würden von den Kunden häufig nicht ausreichend verstanden – möglicherweise aufgrund ihrer hohen Komplexität. Aus diesem Grund sollten Stromlieferanten die Kosten reduzieren, da auch in Zukunft der Preis als Kaufkriterium dominieren wird. Komplizierte Multi-Utility-Konzepte oder breite Dienstleistungspakete müssten dagegen auf den Prüfstand, empfehlen die Berater von Bain & Company.

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