Hoher Bedarf

Studie: Europa immer abhängiger von russischem Erdgas

Durch den steigenden Erdgasbedarf und den Rückgang der Eigenförderung in Europa wird die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen in den nächsten Jahren offenbar weiter zunehmen. Der Importbedarf in Europa werde bis 2020 um knapp 70 Prozent steigen.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der internationalen Beratungsgesellschaft A.T. Kearney. Um die Abhängigkeit Europas von Russland zu verringern, sei es notwendig, alternative Gasbezugsquellen zu erschließen, die Lagerkapazitäten auszubauen sowie den Ausbau alternativer Energiequellen zu forcieren.

Zudem könnten auch die Einrichtung einer internationalen Gaskoordinierungsstelle und eine einheitliche europäische Energiepolitik die Gasversorgungsrisiken in Europa reduzieren, hieß es weiter in der Studie. "Insbesondere durch die Gasverstromung ist der Gasverbrauch in den letzten Jahren enorm gewachsen", erklärte der Leiter der Studie, Florian Haslauer. In Deutschland sei der Gasverbrauch in der Stromerzeugung mit rund 58 Prozent stark angestiegen.

Wie es in der Studie weiter heißt, werden derzeit etwa 60 Prozent des in Europa verbrauchten Gases über Pipelines und als Flüssigerdgas importiert. Allein 47 Prozent des Pipelinegases kämen dabei aus Russland. Der aus Russland nach Deutschland importierte Anteil liege bei 34 Prozent. Lediglich 15 Prozent des EU-Verbrauchs können der Studie zufolge derzeit in Speichern gelagert werden.

Die derzeitigen Pipeline Kapazitäten von Russland nach Europa reichten nicht aus, warnten die Autoren der Studie. Das russisch-deutsche Nordstream-Projekt, die russisch-italienische Southstream-Pipeline und die Nabucco-Pipeline von der Türkei nach Österreich könnten den Bedarf aber zukünftig decken. Als Alternativen zur Abhängigkeit Russlands empfiehlt die Studie vor allem die Erschließung neue Gasbezugsquellen und die Schließung von langfristigen Lieferverträgen speziell mit nordafrikanischen Ländern und dem Nahen Osten. Darüber hinaus gelte es, die eigenen Speicherkapazitäten auszubauen.

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