Klimaschutz

Studie belegt: Deutschland erreicht Kyoto-Ziele

Durch gezielte Klimaschutzpolitik lassen sich Treibhausgase reduzieren: In den vergangenen zehn Jahren hat die BRD den Ausstoß um 18 Prozent "heruntergefahren".

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Eine internationale Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes belegt am Beispiel der Bundesrepublik und Großbritanniens, dass es durchaus erfolgreiche Politiken zur Verminderung der Treibhausgas-Emissionen in Industriestaaten gibt. Die Studie, an der das Fraunhofer-Institut (ISI) und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mitgewirkt haben, widerlegt zugleich die landläufige Behauptung, Deutschland verdanke seine positive Klimaschutz-Bilanz überwiegend dem Fall der Mauer.

Deutschland könne mit einer von 1990 bis 2000 erreichten Verringerung des Ausstoßes der sechs im Kyoto-Protokoll genannten Treibhausgase um 18 Prozent auf "eine stolze Bilanz" zurückblicken. Die vom Umweltbundesamt beauftragten Forscher des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe, des britischen Science and Technology Policy Research Centre (SPRU) in Brighton und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin analysierten, dass die in Deutschland erzielten Treibhausgasreduktionen nur zur Hälfte dem glücklichen Umstand der deutschen Wiedervereinigung zu verdanken seien. Die andere Hälfte sei Ergebnis einer aktiven Klimaschutzpolitik mit vielfältigen Aktivitäten in allen Bereichen.

Die Analysen zeigen, dass Deutschland selbst ohne den "Wiedervereinigungseffekt" seine gesamten Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um 9 Prozent verringern konnte. Wichtige Beiträge hätten hierzu die Verbesserung der Energieeffizienz sowie die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien geliefert, für die in Deutschland mit der Einführung der Ökosteuer und dem Gesetz für Erneuerbare Energien wichtige Weichen gestellt worden seien. Damit befinde sich Deutschland "klar auf dem Weg", seine in Kyoto und im Rahmen der Lastenverteilung innerhalb der EU übernommenen Ziele zu erreichen. Demnach muss Deutschland zwischen 2008 und 2012 seine Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zu 1990 um mindestens 21 Prozent verringern.

Ähnliches gilt für Großbritannien, wo die Liberalisierung des Energiemarktes und die folgende Stillegung des Kohlebergbaus zu weniger Emissionen von Treibhausgasen geführt habe. Auch hier konnten die Wissenschaftler nachweisen, wie durch gezielte politische Rahmenvorgaben eine deutliche Reduktion von Treibhausgasen erzielt wurde.

Die Untersuchung widerlegt das Argument insbesondere der neuen US-Regierung, dass Klimaschutz die amerikanische Volkswirtschaft ruinieren würde und Erfolge in Europa bisher nur auf die deutsche Wiedervereinigung und der Umstrukturierung der Kohleindustrie im Vereinigten Koenigreich zurückzuführen seien. Welches Einsparpotenzial gerade in den Vereinigten Staaten von Amerika vorhanden ist, zeigt ein Vergleich: Bei vergleichbarem Lebensstandard sind einem US-Amerikaner mit etwa 20 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr und Einwohner mehr als doppelt so hohe Emissionen zuzurechnen als einem Durchschnittsbürger der EU (mit 8,5 Tonnen pro Jahr und Einwohner). In Deutschland werden rund 10 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr und Einwohner emittiert.

Die Studie "Greenhouse Gas Reductions in Germany and the UK - Coincidence or Policy induced?" ist zu beziehen beim Umweltbundesamt, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Postfach 330022, 14191 Berlin.

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