Bertelsmann-Stiftung

Studie: Altersarmut bedroht 2036 jeden fünften Neurentner

Von Altersarmut soll in nicht mal 20 Jahren jeder fünfter Neurentner betroffen sein, so eine aktuelle Studie. Besonders der Anteil an alleinstehenden Frauen, deren Einkommen nicht zu Leben ausreicht, soll steigen.

Altersvorsorge© jörn buchheim / Fotolia.com

Gütersloh - Jeder fünfte Neurentner wird im Jahr 2036 von Altersarmut bedroht sein. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Bertelsmann-Stiftung am Montag in Gütersloh vorgestellt hat.

Insgesamt steigt die Armutsrisikoquote in der Altersgruppe der dann 67-Jährigen in den kommenden Jahren von heute 16 auf 20 Prozent an. Besonders betroffen sind davon alleinstehende Frauen, Menschen ohne Berufsausbildung und Langzeitarbeitslose. Laut Simulationsberechnungen wird besonders der Anteil der Frauen dramatisch ansteigen, die von staatlichen Leistungen abhängig werden, weil ihr Einkommen nicht fürs Leben reicht. Laut Studie steigt ihr Anteil von heute 16,2 auf 27,8 Prozent im Jahr 2036 an.

Altersarmut bei weniger als 958 Euro im Monat

Für die Studie haben das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Simulationsberechnungen gemacht. Basis sind Haushaltsdaten, mit denen die zukünftigen Alterseinkommen aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge prognostiziert werden. Rentner gelten heute als armutsgefährdet, wenn ihr Netto-Einkommen unter 958 Euro liegt.

Wachsende Altersarmut hat mehrere Ursachen

Als Ursache für die wachsende Altersarmut sehen die Studien-Autoren zwei Gründe: Die Zunahme von Unterbrechungen im Arbeitsleben und unsichere Beschäftigungsverhältnisse im Niedriglohnsektor. Zum anderen sinkt das Rentenniveau durch die demografische Entwicklung und rentenrechtliche Veränderungen kontinuierlich. Nach Auffassung der Stiftung entfalten die zum Ausgleich geschaffenen Instrumente der privaten Altersvorsorge aber nicht die gewünschte Wirkung.

"Wir brauchen weitere Reformen für den Ruhestand: Wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht, könnte es zu einem bösen Erwachen kommen. Um das Alterssicherungssystem zukunftsfest zu gestalten, müssen wir es heute an die veränderten Rahmenbedingungen der Arbeitswelt anpassen", so Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Ähnliche Ergebnisse beim Alterssicherungsbericht 2016

Die Ergebnisse der Studien decken sich in vielen Teilen mit dem Altersicherungsbericht, den die Bundesregierung 2016 veröffentlichte. Darin fordert die Politik die Menschen auf, mehr privat für das Alter vorzusorgen. Nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung aber reicht das bei weitem nicht aus. Christof Schiller, Autor der Studie, fordert eine bessere Integration der Risikogruppen in den Arbeitsmarkt.

"Die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung macht erneut deutlich, wie groß der Handlungsbedarf beim Thema Altersarmut ist. Diese Tatsache kann auch die CDU nicht länger ignorieren", sagte Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK. Die Studie bestätige wieder einmal, dass die Abschaffung der Abschläge bei Erwerbsminderungsrenten ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Altersarmut ist, sagte Mascher in einer Stellungnahme. "Die Abschaffung der Abschläge muss nun endlich in der nächsten Legislaturperiode auf die Tagesordnung."

Quelle: DPA

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