Hannover Messe 2001

Stromwirtschaft zieht Bilanz: Preise steigen wieder

Günter Marquis, Präsident des Verbands der Elektrizitätswirtschaft, beschwerte sich anlässlich der Hannover Messe über die Politik, die den Energieversorgern immmer mehr Belastungen auferlegt. Sein Fazit: Die Strompreise werden weiter steigen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com
"Der Wettbewerb im Strommarkt ist keine Einbahnstraße zu immer niedrigeren Preisen", erklärte der Präsident des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) Günter Marquis heute auf der Hannover Messe. Nach der teilweise durch Überreaktionen geprägten Startphase im liberalisierten Markt folge jetzt die Normalisierung. Seit dem Tiefstand Mitte 2000 stiegen die Strompreise für die Industrie bis Anfang 2001 um 15 Prozent, ermittelte VDEW. Damit sei das Preisniveau aber immer noch 30 Prozent niedriger als 1998.


Preistreibend wirkten im Jahr 2000, so Marquis, die steigenden Brennstoffkosten: So zahlten die Stromversorger für Importkohle 22 und für Erdgas 45 Prozent mehr als 1999. Der Brennstoffmix und insbesondere die preisgünstige Kernenergie hätten jedoch dafür gesorgt, dass der Anstieg nicht voll auf die Strompreise durchschlug. "Der Staat dreht zunehmend an der Strompreisschraube", kritisierte Marquis weiter. Die dadurch verursachten Kosten zehrten an den unter großen Anstrengungen erreichten Rationalisierungserfolgen der Stromwirtschaft. 2001 steige die Belastung von Industrie und Gewerbe durch die Ökosteuer auf etwa 1,3 Milliarden DM, rechnete VDEW vor. Ferner kletterten die Kosten für die Betriebe durch die Gesetze zur Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung und regenerativen Energien auf jeweils etwa eine Milliarde DM. "Diese politischen Kosten machen etwa ein Drittel der elf Milliarden DM aus, um welche die jährliche Stromrechnung von Industrie und Gewerbe gesunken ist."


Enttäuscht sei die deutsche Elektrizitätswirtschaft darüber, dass der jüngste Vorstoß der EU-Kommission zur Beschleunigung der Marktöffnung beim EU-Gipfel in Stockholm zurückgestellt wurde. Die unterschiedliche Öffnung der Strommärkte führe zu Nachteilen für den Wirtschaftsstandort Deutschland: Deutschen Stromversorgern bliebe ein großer Teil des Marktes verschlossen, während ausländische Anbieter voll ins deutsche Stromgeschäft einsteigen könnten, monierte Marquis weiter. Dringend notwendig, so VDEW, seien zuden einheitliche Vorgaben für die Nutzung der Stromnetze beim grenzüberschreitenden Handel. Dabei gehe es nicht nur um den Preis, sondern auch um die technischen Spielregeln. "Das Preissystem muss sich an der Kostenverursachung orientieren", fordert Marquis. Die bisherigen Vorstellungen der Kommission, die Kosten für die Nutzung der Stromnetze größtenteils zu sozialisieren, stoßen dagegen auf Kritik: "Da Deutschland in ganz erheblichem Maß Transitland im EU-Strommarkt ist, würden die deutschen Verbraucher mit zusätzlichen Kosten belastet", erklärte Marquis. Auch die Brüsseler Pläne für eine unmittelbar in den Ländern anzuwendende Verordnung finden keinen Beifall der deutschen Stromwirtschaft. Marquis: "Die Kommission will damit immer mehr administrative Kompetenzen an sich ziehen. Eine Brüsseler Super-Regulierungsbehörde stößt nicht nur bei der Wirtschaft auf Kritik."

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