Stromwirtschaft befürchtet: Energieeinsparverordnung bringt Einsparung an Arbeitsplätzen, aber nicht an Energie

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
"Arbeits- und Ausbildungsplätze beim Handwerk und in der Industrie stehen auf dem Spiel, wenn der am 7. März im Kabinett verabschiedete Entwurf der Energieeinsparverordnung (EnEV) im Bundesrat nicht geändert wird", zeigt sich Jörg Zöllner, Geschäftsführer des Fachverbandes für Energie-Marketing und -Anwendung (HEA) e.V. in Frankfurt a. M., anlässlich der Sanitär und Heizungsmesse ISH besorgt. Besonders betroffen von dem Entwurf wären die elektrische Warmwasserbereitung sowie die neue Elektro-Speicherheizung ( mit Lüftung und Wärmerückgewinnung).


Die im Entwurf festgelegten Vorgaben kämen für die genannten Techniken einem wirtschaftlichen Verbot gleich. Die Tragweite dieses Vorhabens zeige sich insbesondere bei der Warmwasserbereitung, die in Deutschland zu 45 Prozent von Elektro-Warmwassergeräten gedeckt werde. So befürchtet allein das installierende Elektrohandwerk mittelfristig einen Umsatzverlust von 1,5 Milliarden DM. Darüber hinaus sei auch ein beträchtliches Wirtschaftspotential bei der Geräte herstellenden Industrie sowie bei den Stromversorgern gefährdet. Letztere würden nach Angaben von Zöllner mittelfristig im Haushaltsbereich 35 Milliarden Kilowattstunden (kWh) verlieren. Das sind 26 Prozent des Stromabsatzes an private Haushalte bzw. sieben Prozent der gesamten Stromabgabe des Wirtschaftszweiges.


Besonderer Kritikpunkt der Stromwirtschaft am Entwurf der Energieeinsparverordnung gilt der mehr ideologisch denn sachlich begründeten Heranziehung der Primärenergie zur Bewertung der Anlagentechnik, die im Entwurf integriert mit dem Wärmeschutz betrachtet wird. Nach Meinung der Stromwirtschaft wurden die Werte bewusst so gewählt, dass die stromgestützten Systeme für Heizung und Warmwasser wirtschaftlich unrentabel werden. Eindeutig und einseitig begünstigt würden dagegen fossile Zentralheizungs- und Warmwassertechniken. "Damit laufe die eigentlich angestrebte und von der Stromwirtschaft ausdrücklich unterstützte Zielsetzung der EnEV nach Energieeinsparung und Kohlendioxid-Reduzierung", so Zöllner "absolut fehl, ja sie werde konterkariert, denn Energieeinsparung wird nicht erreicht." Er appellierte deshalb an die im Bundesrat versammelten Länder, hier in ihrer Sitzung am 11. Mai korrigierend einzugreifen und die unrealistischen Anforderungen für die Strom-Hauswärmetechnik zu modifizieren - dies sowohl aus ökologischen und ökonomischen als auch aus Gründen eines fairen Wettbewerbs zwischen den Energieträgern.


Wenn es der Bundesregierung ernst sei mit dem mündigen Verbraucher, so Zöllner abschließend, "dann bevormundet sie diesen nicht, sondern überlässt es ihm, sich für den Energieträger und für Lösungen seiner Wahl zu entscheiden."

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