Stromversteigerung im Internet: Mehr Schatten als Licht

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com
"Versteigerung von Strom über das Internet - mit dieser bestechenden Idee geht jetzt die stromauktionshaus.de GmbH europaweit in den Markt." So beginnt die erste Pressemitteilung dieses nagelneuen Internetangebots. Per Auktion können die Verbraucher dort - kostenlos - den für sie günstigsten Stromanbieter finden. Und so soll es funktionieren: Der Verbraucher gibt seinen Stromverbrauch ein und einen Kilowattstundenpreis, den er höchstens dafür bezahlen möchte. Um seine Kilowattstundenanzahl wird dann geboten. Und zwar von anonymen Energieversorgungsunternehmen, die sich vorher bei der stromauktionshaus.de GmbH registriert haben.


Soweit ist die Idee ja ganz nett. Aber ab hier es wird nach Meinung des strom magazins problematisch. Denn sobald der Verbraucher seine Kilowattstunden zur Versteigerung freigegeben hat, hat er mit der ganzen Versteigerung nichts mehr zu tun. Er wird erst wieder eingeschaltet, wenn ihm der Vertrag von seinem neuen Energieversorger - dessen Namen er bei der Versteigerung nicht erfährt - zugesandt wird. Im Klartext heißt das: der Verbraucher erfährt den Namen seines neuen Stromanbieters erst, wenn der Vertrag quasi schon abgeschlossen ist. Er verlässt sich auf die Auswahlkriterien der stromauktionshaus.de GmbH, die nach Angaben von Markus De Rossi, Mitglied der Geschäftsführung, nur seriöse Unternehmen registrieren will. Aber wer hätte beispielsweise den Bremer Internetprovider vor einigen Monaten als unseriös eingestuft?


"Die Vorteile dieses Geschäftsmodells liegen auf der Hand. Der Stromverbraucher kann komfortabel und schnell den für sich optimalen Stromanbieter finden", beschreibt Wilhelm Hahn, ebenfalls Mitglied der Geschäftsführung, die Vorteile des Stromauktionshauses. Aber gerade in Zeiten der großen Verunsicherung unter den Stromkunden bleibt es fraglich, ob sich viele Verbraucher darauf einlassen, Verträge mit Stromanbietern abzuschließen, die sie nicht kennen. Neuste Umfragen bestätigen, dass immer weniger Deutsche überhaupt dazu bereit sind, ihren Stromanbieter zu wechseln. Und dann sollen sie zu einem Unternehmen wechseln, von dem sie vielleicht vorher noch nie etwas gehört haben?


Sicherlich, das Angebot ist weniger für Privatverbraucher und mehr für mittelständische und Großbetriebe mit einem Verbrauch von mehr als 75 000 kWh gedacht. Die Privatangebote werden sogar erst gebündelt, bevor sie an den "kleinsten Preis Bietenden" versteigert werden können. Aber auch dort will man vermutlich zuerst wissen, mit wem man die Stromverträge abschließt, bevor man im Dunkeln sitzt.


"Wir treten damit für einen echten und fairen Wettbewerb ein, der unseriöse Preisspiralen und Preisdumping nachhaltig verhindert." Das strom magazin ist eher skeptisch, denn wie die Praxis zeigt, kommt es den meisten Verbrauchern nicht ausschließlich auf den Preis an, sondern auch auf Seriosität und Renommee.


Annika Krisp

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