Teure Brennstoffkosten

Stromverband: Neuer Kraftakt in 2005

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) rechnet bei dem ab Januar beginnenden EU-weiten Handel mit Emissionszertifikaten mit zusätzlichen Belastungen für deutsche Unternehmen. In einem Interview sprach Verbandschef Meller von einem neuerlichen Kraftakt, auch durch die Novellierung des Energiegesetzes.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) rechnet im kommenden Jahr bei privaten Verbrauchern mit Strompreiserhöhungen im "mittleren einstelligen Bereich". Die Anhebung resultiere vor allem aus der Verteuerung bei den Brennstoffkosten, sagte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller am Samstag in Berlin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp.vwd.

Die alljährliche VDEW-Berechnung für einen Drei-Personen-Musterhaushalt für 2005 mit konkreten Zahlen liege erst im frühen Sommer vor. Erst dann sei abzusehen, ob und in welchem Umfang die beantragten Strompreiserhöhungen bewilligt wurden.

Ein Musterhaushalt hat laut VDEW-Erhebungen in diesem Jahr monatlich rund 52 Euro für Strom gezahlt. Das seien zwei Euro oder vier Prozent mehr als 1998 zu Beginn der Liberalisierung des Strommarktes, sagte Meller. Die Inflationsrate in diesem Zeitraum habe sich aber auf neun Prozent belaufen. Wegen der Rationalisierungserfolge der Branche seien die Strompreise weniger stark gestiegen als die Kosten der Lebenshaltung.

Der "Staatsanteil" an der Rechnung des Musterhaushalts ist laut Meller seit 1998 auf nahezu das Doppelte gestiegen. Seinerzeit machten Steuern und Abgaben 25 Prozent der Rechnung aus. 2004 summierten sich Stromsteuer, Abgaben auf Basis des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes, Konzessionsabgabe und Mehrwertsteuer auf 40 Prozent.

Gleichzeitig rechnet der Verband mit zusätzlichen Belastungen für deutsche Unternehmen durch den EU-weiten Handel mit Emissionszertifikaten. Die Bundesregierung habe die Zahl der Zertifikate zu knapp bemessen, sagte Meller im Interview mit ddp. Die Kürzung der Zuteilungsmengen bringe der deutschen Wirtschaft erhebliche Wettbewerbsnachteile im europäischen Markt. Der Zertifikatehandel bedeute damit eine zusätzliche Hürde für den erhofften Konjunkturaufschwung. Deutschland bremse sich mit seiner "Vorreiterrolle" beim Klimaschutz selbst aus. Das Zuteilungsgesetz über die zugebilligten Emissionen sei handwerklich schlecht gemacht und berücksichtige bereits erzielte Umweltschutz-Erfolge zu wenig, kritisierte der VDEW-Hauptgeschäftführer.

Generell stehe die deutsche Stromwirtschaft 2005, dem achten Wettbewerbsjahr, vor einem neuen Kraftakt. Meller verwies neben dem Zertifikatehandel auf die Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes und den geplanten Start der Regulierungsbehörde. Dabei müssten Investitionen unternehmerisch verantwortbar bleiben. Zu starke staatliche Eingriffe würden Kapitalgeber abschrecken, deren Geld für die erforderlichen Milliardeninvestitionen unverzichtbar sei. Stets müsse von der Politik die Balance zwischen den gleichrangigen Zielen Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit gewahrt werden, forderte Meller.

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