Strompreisnachlässe und Verlustvorsorge belasten VEAG-Ergebnis

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com
Das Ergebnis des größten ostdeutschen Stromunternehmens VEAG stand im Geschäftsjahr 1999 unter dem Einfluss erheblicher Strompreissenkungen und einer Drohverlustrückstellung. Insgesamt kam es zu einem Jahresfehlbetrag von 1,87 Milliarden DM. In den nächsten Jahren erwartet VEAG aufgrund des anhaltend niedrigen Strompreisniveaus und der hohen Kapitalkosten weitere Verluste. Deshalb hat das Unternehmen im Jahresabschluss zum 31. Dezember 1999 eine Drohverlustrückstellung in Höhe von rund 1,7 Milliarden DM gebildet. VEAG hat somit bereits jetzt Vorsorge für drohende Verluste in den Folgejahren getroffen, so dass dann damit die folgenden Jahresergebnisse ausgeglichen gestaltet werden können.


Insbesondere die Strompreissenkung zum 1. Oktober 1999 führte zu einer Verringerung der Umsatzerlöse um 8 Prozent auf 4,4 Milliarden DM. Seit ihrem erneuten Preisnachlass zum 1. Januar 2000 auf 6 Pfennig/kWh liegt VEAG im Mittelfeld des deutschen Strompreisgefüges auf Höchstspannungsebene. Die ostdeutschen Regionalversorger verfügen als VEAG-Hauptkunden damit über Bezugskonditionen, die es ihnen erlauben wettbewerbsfähige Strompreise anzubieten. Damit kann der Preisunterschied zu Westdeutschland ausgeglichen werden. Ihren Stromabsatz konnte VEAG im Jahr 1999 um 5 Prozent auf 49,5 Milliarden kWh steigern. Die Zunahme resultiert aus dem Stromhandelsgeschäft und aus einem leicht erhöhten Absatz an die ostdeutschen Regionalversorger. Der Anteil des Stromhandels auf Verbundebene am Gesamtabsatz erhöhte sich gegenüber 1998 um 4 Prozentpunkte auf 17 Prozent.


VEAG hat ihr Investitionsprogramm in Ostdeutschland weiter vorangebracht: Der Konzern investierte im Jahr 1999 1,5 Milliarden DM und hat damit seit 1990 16 Milliarden DM für Modernisierung und Neubau ostdeutscher Kraftwerke und Netzanlagen ausgegeben. Die Investitionen wurden in der Vergangenheit im Wesentlichen durch die ostdeutschen Stromkunden finanziert. Lediglich für 25 Prozent haben Banken Kredite bereitgestellt. Im Rahmen der Investitionsförderung für Ostdeutschland finanzierten Zuschüsse ein Prozent der VEAG-Investitionen.


Der Block R des Neubaukraftwerks Lippendorf geht Anfang Juni 2000 in Dauerbetrieb. Der Neubaublock in Boxberg hatte am 3. März 2000 seine erste Netzschaltung. Nach der Abschaltung der letzten, nicht nachgerüsteten Altanlagen verfügt VEAG nun über den modernsten Braunkohlekraftwerkpark der Welt. Die Arbeiten für das Pumpspeicher-Kraftwerk in Goldisthal kommen trotz schwieriger geologischer Verhältnisse voran. Der VEAG-Konzern hatte am 31. Dezember 1999 6.256 Mitarbeiter. Im Vergleich zum Vorjahresstichtag verringerte sich die Anzahl um 9,8 Prozent. Zum Jahresende 1999 wurden 670 Jugendliche ausgebildet. Die Ausbildungsquote stieg gegenüber 1998 um 0,7 Prozentpunkte auf 9,7 Prozent.


Die Geschäftsentwicklung des Unternehmens ist auch in diesem Jahr schwierig: Bei steigendem Stromabsatz musste VEAG im ersten Quartal 2000 Umsatzeinbußen hinnehmen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr sanken die Erlöse infolge der Preissenkungen der VEAG um 34 Prozent. Zum Ausgleich der Erlöseinbußen hat VEAG seit Anfang des Jahres ein umfangreiches Sparprogramm umgesetzt: 700 Millionen DM sollen durch Kostensenkungen bei Strom- und Kohlebezügen sowie im laufenden Aufwand gespart werden. Hierbei haben auch die Gesellschafter der VEAG einen nennenswerten Beitrag geleistet. Für die darüber hinaus verbleibenden Verluste ist durch die 1999 gebildete Rückstellung Vorsorge getroffen worden. Zur Entlastung der Finanzierung hat VEAG außerdem Investitionen verschoben oder gekürzt. Ein Darlehen von 1 Milliarde DM durch die Gesellschafter erhöht die Flexibilität. Die erste Tranche ist letzte Woche in Anspruch genommen worden.


Aufgrund kartellrechtlicher Bestimmungen im Zusammenhang mit den Fusionen von VEBA/VIAG und RWE/VEW wird es bei VEAG wohl zu einem Wechsel der Gesellschafter kommen. VEAG drängt auf eine rasche Lösung. Die Aufbauarbeit der vergangenen zehn Jahre darf auch im Interesse der VEAG-Belegschaft nicht durch eine Hängepartie gefährdet werden.

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